Die Kriminalgeschichte von Putins Aufstieg

Gepostet am Aktualisiert am

Dass Putin in den wilden Jahren des Zusammenbruchs der UdSSR in St. Petersburg am Ausverkauf von Staatsbetrieben und Staatsimmobilien wie so viele russische „Biznismeni“ ein Vermögen erwarb, lese ich nicht zum ersten Mal. Jetzt aber gibt es das Buch

Putin’s Kleptocracy: Who Owns Russia? von Karen Dawisha.

Anne Applebaum hat darüber in der New York Review of Books geschrieben.

Der KGB begann unter Gorbatschow dafür Sorge zu tragen, dass Gelder ins Ausland transferiert wurden und auf Offshore-Banken geparkt wurden. Mit diesen verschobenen Milliarden konnten in den wilden Jelzin-Jahren in Russland Imperien zusammengekauft werden. Putin landete nach seiner Zeit als KGB-Offizier in Deutschland in der Petersburger Stadtverwaltung, wahrscheinlich mit KGB-Patronage. Sein Name ist mit zahlreichen Transaktionen verbunden. Eine Petersburger Stadträtin warf ihm vor, die Stadt auszuplündern und Kohle, Holz, Stahl und Geld ins Ausland zu transferieren. Die Frau wurde zum Schweigen gebracht.
Dawisha nutzt die Akten von Gerichtsverfahren aus Russland, Dossiers des BND (Die nicht mehr zugänglich sind, seit Gerhard Schröder in Diensten Putins steht) und Ermittlungsakten der spanischen und britischen Polizei.
Putins Name ist verbunden mit der St. Petersburg Real Estate Holding Company. Sie soll Gelder russischer und kolumbianischer Gangster gewaschen haben. Einer der Chefs sitzt in Liechtenstein im Gefängnis. Eine russische Zeitung hatte aufgedeckt, dass die Baufirma  21. Trust, eine weitere Gründung aus Putins Petersburger Zeit, die mit seinem Namen verbunden ist, in Spanien Villen baute. Die Bauarbeiter waren russische Soldaten. Putin selbst war in dieser Zeit in Spanien, inkognito über Gibraltar eingereist. Die spanische Polizei kam dem auf die Spur, als sie die Geschäfte des Oligarchen Beresowski in Spanien untersuchte. Die Petersburger Ozero Dacha Consumer Cooperative, eine weitere Neugründung, kaufte sich in ganz Russland in Immobilien ein. Alle, die zu dieser kleinen Firma gehörten, sind heute Millionäre und Milliardäre.
Chef der Petersburger Niederlassung der Dresdner Bank in Petersburg wurde 1991 der ehemalige Stasi-Offizier Matthias Warnig, den Putin aus Dresden kannte. Die Bank half bei der Zerschlagung des Yukos-Konzerns von Michail Chodorkowsky. Warnig wurde 2006 Chef des North Stream Pipeline Projekts und Aufsichtsratsmitglied in der Bank Rossija. Nach dieser Zeit wurde Putin in Moskau Chef des KGB-Nachfolgers FSB.
Er holte, auch als Präsident, seine Petersburger Kumpane, u. a. Medwediew und Alexej Miller und KGB-Leute in den neuen Führungszirkel. Nach und nach hätten sie den Staat und die Wirtschaft unter ihre Kontrolle gebracht.
Der Westen ließ sich derweil täuschen, glaubte Putins Schaufensterreden und vermutete Übergangsschwierigkeiten auf dem Weg Russlands zu einem demokratischen, marktwirtschaftlich geordneten Staat.
Dawisha geht weiter als frühere Autor/-innen – Sale of the Century (2000), Chrystia Freeland, Masha Gessen The Man Without a Face (2012), Clifford Gaddy and Fiona Hill Mr. Putin: Operative in the Kremlin (2013) und Peter Baker and Susan Glasser Kremlin Rising (2005). Sie setzt akribisch Mosaiksteine zusammen, die das Bild einer seit Ende der 80er Jahre geplanten Strategie des KGB sichtbar machen: Russland wieder zur alten Größe führen.
Nachtrag 4.12.14: Amazon.de sagt mir eine Lieferung zum 2.10.2015 zu! Wenn da mal nicht der KGB dahinter steckt.

Nachtrag: Siehe auch Manfred Quiring, Putins russische Welt

Advertisements

Ein Kommentar zu „Die Kriminalgeschichte von Putins Aufstieg

    […] Anatoly Sobtschak. Er war Bürgermeister, als Putin in der Petersburger Stadtverwaltung arbeitete. Man wird sie im Auge behalten müssen. Allzu leicht werden kritische Journalisten in Russland […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s