Wie sähen Verhandlungen mit Putin aus? Der Berliner Tagesspiegel weiß es

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Ich lese gerade einen Kommentar des Journalisten Nik Afanasjew im Tagesspiegel. Er hält Platzecks Vorschlag, den Russen die Annexion der Krim zuzugestehen, für vernünftig. Die Putinversteher/-innen haben doch das Mantra: Verhandeln, verhandeln, verhandeln, egal, was Putin sich gerade unter den Nagel reißt. Was soll dann noch verhandelt werden? Afanasjev weiß immerhin, worüber verhandelt werden soll. Meistens bleiben die Verhandeln-Forder/-innen die Antwort schuldig, wenn man fragt, worüber denn verhandelt werden soll. Nun der Journalist weiß es immerhin: Auf der Krim wäre die Ukraine verhasst. Eine erneute Abstimmung wäre nicht im Interesse Moskaus. Stattdessen müsse der Westen gemeinsam mit Putin das ostukrainische Neurussland finanzieren, das dann im ukrainischen Staatsverband bleiben dürfe.

Afanasjew kennt sich in der Ukraine scheinbar bestens aus: Er befürchtete, dass in der Ukraine radikale Kräfte triumphieren würden. Das sei zum Glück ausgeblieben. Von radikalen (faschistischen) Kräften fabulierten gerne die Moskauer Propandamedien. Ukrainekenner wiesen wiederholt darauf hin, dass rechtsradikale Personen und Parteien in Kiew bei Wahlen stets unter ferner liefen rangierten. Sie wurden gerne von Oligarchen als Popanz bei Wahlen aufgebaut, die Wählerstimmen auf ihre eigenen Parteien ziehen wollten. In der Ostukraine würden braune ukrainische Freiwilligenbataillone marodieren. A. war wohl nie vor Ort und hat sich kundig gemacht, wie die prorussischen Banditen plündern und morden.  Von Kiewer Faschisten umstellt, hat A. die Rechtsextremisten unter der russischen Miliz im Donbass glatt übersehen. Er fordert einen „Friedensschluss“. Die Zeit würde knapp, weil der ukrainische Ministerpräsident Jazenjuk immer radikaler würde. Er wolle eine monströse Mauer an der Grenze zu Russland bauen. Weiß A. eigentlich warum? (Weil die Russen täglich Busse mit „urlaubenden“ Soldaten und Panzer, Haubitzen und Lkws mit Waffen in die Ukraine schicken. Jazenjuk würde die Ostukrainer als Untermenschen und Terroristen titulieren. (Er meinte die prorussischen und russischen Banden.) Die meisten Unterstützer der prorussischen Milizen seien kriegsmüde Ukrainer, die Kiew hassten. Komisch, warum gelangen zu mir immer nur Artikel, in denen das nicht steht? Lese ich nur von der EU und NATO bezahlte „Leitmedien“. Sollte ich mehr auf Wagenknecht, Gysi, Nida-Rümelin, rtdeutsch und Platzeck hören?

Nicht jeder, der in der Ostukraine Russisch spricht, ist russophil. Aus der russisch besetzten Krim sind sogar dort lebende russische Künstler in die Ukraine umgezogen, weil sie nicht in Putins Russland leben wollen. Abschließend lässt der Ukraine-Kenner A. seinen Verhandlungsvorschlag aus dem Sack: Kein NATO-Beitritt der Ukraine, dafür erlaubt Putin, dass Neurussland bei der Ukraine bleibt. Kiew erlaube, dass dort weiterhin Russisch geprochen werden dürfe. Der Westen finanzierte, gemeinsam mit Russland, den Wiederaufbau der Ostukraine. (Das gewiss überzogene Verbot des Russischen als Amtssprache ist schon lange vom Tisch. Das muss nicht mehr verhandelt werden.)

Die Lebensfähigkeit der bankrotten Restukraine bezweifelt er und warnt davor, die europäischen Steuerzahler mit Hilfsgeldern an Kiew zu belasten. Stattdessen eben Hilfsgelder an Neurussland (Von der Restukraine steht nichts in seinem Kommentar.) Putin dürfte es freuen, die Krim belastet den russischen Staatshaushalt schon sehr. Neurussland dürfte teurer werden. Das Donbass wurde schon lange von Kiew subventioniert. Dort marktwirtschaftliche Strukturen zu etablieren und eine moderne Wirtschaft aufzubauen, dürfte schwieriger werden, als Reformen in Griechenland, Italien oder Frankreich durchzuführen. Wenn das dekadente Europa da hülfe…

Ob Putin erlauben würde, die Oligarchen im Donbass zu entmachten? Wie kommt A. dazu, anzunehmen, die EU dürfe mehr, als nur Milliarden überweisen?

Meine weiter führenden Vorschläge: Moskau braucht eine Landbrücke zur Krim, auf Dauer können nicht Fähren die einzige Verbindung bleiben. Das wäre doch ein Verhandlungsangebot! Auch eine Landverbindung nach Transnistrien braucht die russische Armee zu ihren dort stationierten Einheiten. Also Abtretung passender Zonen an Neurussland. (Siehe die russische Karte der Ukraine!) Im Gegenzug darf die Strabag die Autobahn Rostow-Sebastopol bauen und die Flughafen-Frankfurt-AG den Flughafen Donezk.

Putin weiß, dass Europa schwankt. Er ist dabei, es weiter zu spalten. Er kaufte sich Schröder und unterstützt Marine Le Pen. Auf die alte Garde der SPD und die Industriebosse kann er sich  verlassen. Es gibt Regierungschefs und EU-Kommissarinnen, die die Sanktionen lieber heute als morgen beenden möchten. Warum sollte er Zugeständnisse machen und verhandeln müssen?

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