Aus dem Schulleben vor und nach der Wende

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1986: Die Potsdamer Nadeshda-Krupskaja-Schule meldet dem MfS Schüler, die sich weigern, am Handgranatenzielwurf teilzunehmen.

1990: SED-Ministerpräsident Modrow (heute: Linkspartei) verschafft etwa 1.000 Kadern aus Stasi, SED, FDGB und FDJ Stellen in DDR-Schulen.

1992 wird bekannt, dass eine Lehrerin ein Poesiealbum an das MfS gegeben hat. Wegen eines unerlaubten Eintrages im Tagebuch wurde die Schülerin verhaftet. Die Lehrerin sollte eigentlich zum Schuljahresende einen Gruß hineinschreiben.

Die Brandenburger Enquetekommission, die den DDR-freundlichen „Brandenburger Weg“ nach der Friedlichen Revolution untersuchte, hatte herausgefunden, wie großzügig mit belasteten Personen bei der Einstellung in den Staatsdienst umgegangen wurde. Im vereinigten Berlin war man aber noch großzügiger, wie ein Bericht in der PNN vom 1.11.14, pp 13/14, zeigt.  Das lag vor allem daran, dass es in manchen Ostberliner Bezirken, wie etwa Hellersdorf, PDS-Stadträte waren, die dafür sorgten, dass ihre Leute Lehrer/-innen und Schulleiter/-innen blieben. In anderen Bezirken war man strenger. Aber auch diejenigen, die die Großzügigkeit kritisch sehen, sind der Meinung, dass zwar manche durchgerutscht sind, auch manche ungeeignete mit Schmalspurausbildung bleiben durften, dass man aber sozialverträglich handelte. Es gab eine linke Kampagne gegen drohende „Berufsverbote“. In Sachsen gab es Morddrohungen gegen die Bildungsministerin, die schärfer gegen SED-Lehrer/-innen vorging. Man nahm in Berlin in Kauf, dass noch jahrelang die DDR im Unterricht verklärt und als starke Volkswirtschaft dargestellt wurde. Man hoffte auf selbst denkende Schüler und anders denkende Elternhäuser.

In einem Fall geht es um den stellvertretenden Direktor der EOS Max Planck in Berlin-Mitte. Die Schule war bei DDR-Kadern besonders beliebt. Der Stellvertreter war zuständig für Berufslenkung, d. h. er musste dafür sorgen, dass es möglichst viele Verpflichtungen zur NVA gab und Schüler mit durchaus besseren Noten oder aus Arbeiter- und Bauern-fernen Elternhäusern nicht studieren durften. Er galt als harter Hund. 1990 wurde er Direktor einer anderen Schule, die mit der EOS, jetzt Max-Planck-Gymnasium genannt, zusammengelegt wurde. Er wurde auch Leiter dieser Schule. Heute ist er beliebt und geachtet, im Vorstand des Berliner Oberstudiendirektorenverbandes. Seine harte Hand bei der EOS-Berufslenkung sieht er als damaligen Systemzwang an. Ein Kollege sieht in seinem Wandel eine Stärke des Rechtsstaates, der ihm eine Chance gab.

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