Götz Aly lobt die Wärme der DDR-Schule

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Auf der Suche nach originellen Thesen war Götz Aly bisher immer sehr erfolgreich. Gelang ihm doch, seine These stets fundiert zu belegen. Jetzt behauptet er in der Berliner Zeitung, wo er eine Kolumne hat, die Erziehungspolitik der DDR hätte – anders als die konservative Schule der Adenauerzeit – den Schüler/-innen Halt und Wärme gegeben. In den von den Verbrechen der (West-?)Deutschen in der Nazizeit traumatisierten Familien wären die westdeutschen Kinder psychisch frierend aufgewachsen. Die DDR-Schule hätte sich an den reformerischen Ideen der Weimarer Sozialisten orientiert. Fest macht Aly seine steile These am Züchtigungsverbot für DDR-Lehrer, das zwanzig Jahre früher als im Westen gekommen war. Was er nicht weiß: Margot Honecker hat in den 50er Jahren alle Lehrer entfernt, die der Weimarer Reformpädagogik anhingen.

Früher hat der Historiker Aly gründlich recherchiert, über die DDR-Schule hat sich der Publizist Aly nicht  informiert.

In diesem Blog steht einiges über Schule in der DDR, das deutlich macht, dass Aly hier um der Originalität willen die Fakten vernachlässigt. Es geht mir nicht um die Wärme der Jugendwerkhöfe, die auch zum Erziehungssystem der DDR gehörten. Aly kennt sie wahrscheinlich nicht. Bleiben wir bei der Normalschule. Er scheint nie davon gehört oder gelesen zu haben, dass jeder Schüler wusste, dass er im Unterricht anderes zu hören bekam als zu Hause und anderes sagen musste als zu Hause. Ob das nicht auch psychische Schäden hervorrief?

Ich bin auf seinen nächsten Kommentar gespannt. Vielleicht lautet er so: Die DDR-Verfassung enthielt mehr Bürgerrechte als das Grundgesetz. Und das alles, weil ihm auch der Begriff Unrechtsstaat nicht gefällt. Der dünkelhafte Gebrauch des Wortes durch Wessis würde die Staatsbürgerinnen und -bürger der Deutschen Demokratischen Republik diskriminieren. Auch das könnte sein neues Buch werden: Die gesunde, kameradschaftliche und sportliche Erziehungspolitik der NSDAP.

Hier der Link zur Berliner Zeitung. (Dieser Zeitung gelingt immer wieder eine apologetische DDR-Darstellung.)
 
Herr Aly scheint sein Thema gefunden zu haben, er setzt seine Beiträge zur fortschrittlichen DDR fort. Unverständlich, warum denen 4 Millionen Menschen weggelaufen sind. Seine These ist abenteuerlich: „Wer aber undifferenziert vom Unrechtsstaat DDR schwadroniert, verhöhnt die alltägliche, im besten Sinne bürgerliche Standfestigkeit der vielen Einzelnen.“ Weil es Widerstand gab, wäre die DDR kein Unrechtsstaat? (Berliner Zeitung v. 3.11.14)
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Ein Kommentar zu „Götz Aly lobt die Wärme der DDR-Schule

    […] der Unsinn, den der sonst so kritische Götz Aly über die Wärme und Geborgenheit schreibt, die die DDR-Schule den Kindern gegeben hätte. Ganz […]

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