Abenteuerurlaub in der Ostukraine

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Ich habe das Abonnement der Potsdamer „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ gekündigt. Es gefiel mir einiges schon lange nicht mehr. Zuletzt waren es die nicht enden wollenden Ergüsse der moskautreuen Leserbriefschreiber/-innen. Seit Monaten täglich konnten sie Russland verteidigen und die USA, die EU, die NATO als Kriegstreiber und Lügner darstellen. Egal, was in den Nachrichten stand, man konnte wochenlang lesen, dass z. B. die prorussische Miliz jederzeit eine unabhängige Kommission an die Absturzstelle der malayischen Passagiermaschine lassen würde, aber keine aus dem „faschistischen“ Kiew oder von der „aggressiven“ NATO.

Ich war es in meinem früheren Leben als Zeitungsleser gewohnt, Leserbriefe als eine wertvolle Ergänzung zum redaktionellen Teil zu sehen. Da gab es Widerspruch, Berichtigung, neue Argumente. Ein MAZ-Artikel, der eine pointierte Meinung enthalten hätte, die das hätte auslösen können, ist mir nicht in Erinnerung. Aber wochenlang dieselbe Litanei, die man schon von den Kreml-PR-Expert/-innen kennt? Es reicht ja schon, Ähnliches von SPD- und Linksparteipolitiker/-innen im redaktionellen Teil zu lesen. Nun kann man eine Redaktion nicht für die Kommentare der Leser/-innen verantwortlich machen. Aber sie geben einen Hinweis darauf, wer die Zeitung liest.

Als ich kündigte, fragt eine Angestellte nach, woran es läge. Sie tippt alles in ihren Computer und sagt, sie werde es weitergeben. Vielleicht ist es auch Zufall, aber in dieser Woche waren zweimal je ein Pro-Putin- und ein putinkritischer Leserbrief abgedruckt. Nachtrag: Das war wohl ein Ausrutscher, denn heute werden auch Facebook-Kommentare von Ratzi Fatzi und Lucky Luke (von mir den wirklichen nachempfundene Pseudonyme) in der Leserbriefspalte abgedruckt.

Zum deutschen Umgang mit der Ukrainekrise noch ein paar Links:

Die Kritik am Umgang des deutschen öffentlich-rechtlichen TV mit der Ukrainekrise ist bekannt. Es wurde über die Ukraine geredet, aber nicht mit Ukrainern. Die Starmoderatoren Jauch und Plasberg, die merkwürdigerweise für Journalisten gehalten werden, hatten in ihren Talkrunden z. B. einen Kreml-Propagandisten, das sagten – wussten? – sie aber nicht. Er wurde als „russischer Journalist“ vorgestellt. Das ARD-Magzin ZAPP dagegen versuchte zu beweisen, dass die deutschen Medien putinkritisch wären.

Der selbst ernannte Premierminister Alexander Sachartschenko der „Volksrepublik Donezk“ schwärmt von den 3.000 russischen Soldaten, die ihren Urlaub damit verbringen, gegen die Kiewer „Faschisten“ zu kämpfen. Russinnen beklagen den Tod ihrer Söhne oder Männer, die in der Ukraine kämpfen mussten. Wer darüber in Russland berichtet, dem drohen Verhaftung und Strafen. (Die NATO spricht zur selben Zeit von ca. 1.000 russischen Soldaten in der Ukraine.)

Die deutschen Nachrichtensendungen vermeiden das Wort Krieg. Sie reden von Aufständischen oder Rebellen, von Bürgerkrieg, nicht von Krieg. Wird eine russische Eliteeinheit in der Ukraine aufgegriffen, wird bierernst die Erklärung Moskaus dazu verlesen: Sie hätten sich verirrt. Man könnte erwarten, dass das deutsche Kabarett sich der Sache annimmt. Aber da sitzen noch mehr Putinversteher als in SPD, Linkspartei und den Medien zusammen. Die Darbietungen der Kabarettist/-innen sind gesprochene oder gesungene Kommentare, die so im Freitag oder im Neuen Deutschland stehen könnten.

Boris Reitschuster kommentiert sarkastisch: Wenn man damit rechnen muss, dass sich russische Eliteeinheiten versehentlich auf fremdes Territorium verirren, sollten Polen und die baltischen Staaten ihre Grenzen ab sofort noch besser sichern. Schweden kann ein Lied davon singen, wie oft sich russische U-Boote in ihrem Hoheitsgewässer „verfahren“.

Wenn der Bundespräsident die Aggression Russlands benennt, sind stirnrunzelnde Kommentator/-innen zu sehen. Viel lieber schaltet man zu den freundlichen Putin-Erklärern vom Ost-Institut in Wismar oder vom Deutsch-Russischen Forum.

Es gab eine Zeit, da hielt ich die kritischen „Nachdenkseiten“ von Albrecht Müller für lesenswert. Wenn ich jetzt nachdenke, erkenne ich, dass Herr Müller nur Kritik nur an den USA übt. Ein Vorschlag, was die Liste der US-amerikanischen Einflussagenturen in Deutschland betrifft, die unter Müllers Link aufgeführt sind: So behandeln wie das der lupenreine Demokrat Putin in seinem Land tut: verbieten!

Jetzt werde ich unkorrekt: Bevor Hitler ins Sudetenland einmarschierte, hat er sich das von einer internationalen Konferenz absegnen lassen. Was für ein Zauderer! Da ist Putin von einem anderen Kaliber. Und beginnt sofort mit Repressalien gegen die Krimtataren. (Update zu Repessalien gegen die Tataren)

Gestern wurde in einer TV-Dokumentation gesagt, dass in Danzig 1939 zu 90% Deutsche lebten und ein Zeitzeuge erklärte, dass die Danziger gerne wieder in Deutschland gelebt hätten. Die deutschen Regierungen haben fast 20 Jahre (1919-1939) darüber ergebnislos mit Polen verhandelt. Putin hatte auf der Krim keine 90%, die zu Russland wollten, und verhandelt hat er auch nicht.

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