Die Presse in Palästina: Parallelen zum Vietnamkrieg?(1)

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Der ehemalige Vietnamkorrepondent Uwe Siemon-Netto hat beschrieben, wie einseitig die westlichen Medien aus Vietnam berichtet haben. Die freie Presse in demokratischen Ländern wurde von den nordvietnamesischen Kommunisten als Verbündeter betrachtet. In Palästina scheint es ähnlich zu laufen.

Der ARD-Korrepondent Richard Schneider schrieb kürzlich über die Macht der Bilder. Täglich werden die von der Hamas selbst gedrehten oder freigegebenen Clips mit Krankenwagen, Tragbahren und Kinderleichen gezeigt. Gegen diese Bilder ist Israel machtlos. Das scheint das Kalkül der Hamas zu sein. Unliebsame Aufnahmen werden verhindert. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Das weiß auch die Hamas.

Es gab und gibt gestellte Aufnahmen, jetzt z. B., wie Leichen in Schulhöfe gebracht werden. Aufnahmen davon, wie Hamas-Milizionäre Teilnehmer einer Anti-Hamas-Demonstration erschießen, werden verhindert. Korrespondenten schmuggeln ihre Aufnahmen aus Gaza, aus Angst, die Akkreditierung zu verlieren. Wer schreibt, dass Raketenstellungen direkt vor Krankenhäusern oder Hotels stehen, wird verwarnt. Von den sog. UN-Schulen erfährt man nur, wenn sie von den Juden beschossen werden. Dass der Träger nicht die weltweit agierende UN-Flüchtlingsagentur UNHCR ist, sondern die rein palästinensische Einrichtung UNRWA, die längst nicht mehr von den Vereinten Nationen bezahlt wird, sondern von EU-Staaten, den Golf-Emiraten und anderen Staaten. (Kanada hat seine Zahlungen 2010 eingestellt.) Der Anteil an Hamas-Mitgliedern unter den 20.000 Mitarbeiter/-innen wird verschwiegen. Die UNRWA hat es in den 60 Jahren ihrer Tätigkeit trotz ihres Milliardenhaushalts nicht geschafft, den Flüchtlingen eine berufliche und wirtschaftliche Perspektive zu geben. Es ist politisch wichtiger, die Flüchtlinge unselbständig und unzufrieden zu belassen. Dank der Milliarden, die von der EU und anderen seit Jahrzehnten nach Gaza fließen, sind immerhin Lebenserwartung, Gesundheit und Schulbildung höher als in anderen arabischen Ländern. Das hindert die Lehrer/-innen in den UNRWA-Schulen nicht, im Unterricht Raketen zu basteln und Hass-Lieder auf Israel singen zu lassen.

Wirtschaftlich hat sich wenig getan. Die 3.000 Plantagen, die die Israelis bei ihrem Weggang 2005 der Autonomiebehörde übergaben, sind verfallen. Für die Stromversorgung ist Israel zuständig, weil die Palästinenser kein neues Kraftwerk gebaut haben. Israelische Techniker mussten unter Hamas-Beschuss Leitungen reparieren, damit Gaza wieder Strom bekam. Mit dem importierten Zement wurden Tunnel und Kommandostände gebaut, nicht Wohnhäuser und Schutzbunker für das Volk.

Die Blockade, die in wirklichkeit eine Sicherheitsblockade gegen Waffeneinfuhr und keine Totalblockade ist, hat Israel erst begonnen, als deutlich wurde, dass die Hamas Waffen im- und Selbstmordattentäter exportiert. Ägypten ist noch strikter bei der Blockade als Israel, da inzwischen die Sinai-Halbinsel Islamisten-Rückzugsgebiet geworden ist.) Auch während dieser Blockade war ein Grenzübergang offen. Über den konnten Tausende israelische Krankenhäuser aufsuchen und Baumaterial, Diesel und Medikamente gelangten nach Gaza. Er wurde erst im jetzigen Krieg geschlossen, weil die Hamas ihn mit Raketen beschoss.

Jetzt fordert die Hamas als Frucht des Krieges u.a. einen Hafen. Als die israelischen Häfen dem palästinensischen Export offenstanden, kam nicht viel Exportierbares. Es gibt Experten, die sagen, dass Gaza ein zweites Singapur hätte werden können. Aber für arabische Extremisten ist ein Dauer-Flüchtlingslager Gaza als Operationsbasis gegen Israel wichtiger als eine friedliche ökonomische Kooperation.

Man kann den Gaza-Bewohnern nur wünschen, dass sie bald von der Diktatur der Hamas befreit werden. Es ist bemerkenswert, dass die arabischen Staaten sehr zurückhaltend im Gaza-Krieg waren. Antiisraelische und antisemitische  Massendemonstationen wie in Europa gab es so gut wie nicht. Die gemäßigten arabischen Regierungen sehen in der Hamas, einem Teil der islamistischen Muslim-Brüderschaft, und ihren engen Beziehungen zu Al Queida und IS eine größere Gefahr als in Israel.

Dank des Internets bin ich dem deutschen Presseoligopol nicht ausgeliefert, sondern kann mich vielfältiger informieren. Mit ein wenig Informationskompetenz sitzt man Verschwörungstheoretikern, Trollen und Sektierern nicht so leicht auf und muss auch unseren Nahost-Experten Todenhöfer, Sabine Rau, Aug- und Martenstein nicht alles glauben. Fehlt nur noch, dass T. behauptet, der Mossad hätte mit Hamas-Raketen die Atomanlage in Dimona beschossen.

SPON_antiisrael

 

ts Israel
Tagesspiegel, Berlin

 

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2 Kommentare zu „Die Presse in Palästina: Parallelen zum Vietnamkrieg?(1)

    […] In der ARD-Tagesschau gab es einmal eine Andeutung, dass Hamas und europäische Medien gut zusammenarbeiten. […]

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