Jakob Augstein ist ein deutscher Journalist, …

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der nie gelernt hat, eine ordentliche Reportage zu schreiben. Er ist meinungsstark und nicht durch zu viel Information angekränkelt. Bei ihm fragt man sich, ob das, was er veröffentlicht, noch antizionistisch oder schon antisemitisch ist. Als Ziehsohn von Rudolf Augstein, der alles andere als Philosemit war, kann er wohl nicht anders. Er glaubt, die Zustände in Gaza und in Israel bestens zu kennen, obwohl er nie dort war und auch ausdrücklich nicht hinfahren will. Sein Wochenblatt Freitag ist ein bevorzugtes Blatt für linke Antisemiten und Antizionisten. Als Mitbesitzer des Spiegels darf er dort eine Kolumne schreiben, als Gegengewicht zum konservativen Jan Fleischhauer.

Nach den antisemitischen Demonstrationen der letzten Tage bremst Augstein seine Israelfeindschaft überraschend. Seinem Slogan „Im Zweifel links“ bleibt er dabei treu. Denn als Warnerin vor Antisemitismus und Antizionismus zitiert er ausgerechnet eine Politikerin der Linkspartei. Auch wenn die es möglicherweise ehrlich meint, ist ihre Partei nicht geeignet, als Kronzeugin zu dienen.

Dafür haut er beim Flugzeugabschuss MH17 über der Ostukraine auf den Putz: Die Schuldfrage führe zu nichts, weiß er. Der Westen gäbe Putin ja von Beginn der Ukraine-Krise an die Schuld, jetzt halt auch am Abschuss der Maschine. Der Westen wolle Rache. Aber Russland wäre der Machtfaktor im Osten, mit dem wir rechnen müssten.  Recht und Unrecht wären keine Kategorien der Weltpolitik. Die Frage nach der Schuld sei sinnlos. Die Amerikaner hätten vor Jahren ja auch ein Flugzeug abgeschossen. Sie hätten dafür Millionen an Entschädigung gezahlt, sich aber nie entschuldigt. Herr Augstein kennt sich bei den bösen Amis nun einmal besser aus. Die Russen haben zwar auch schon einmal ein Passagierflugzeug in Ostsibiren abgeschossen. (Und beide sicherlich noch mehr.) Was will der Journalist Augstein? Dass sich Putin entschuldigt, eine Entschädigung zahlt?

Je genauer ich ihn lese, desto wirrer kommt mir Augsteins Text vor: Wenn die Frage nach der Schuld sinnlos ist, warum hält er den Amerikanern dann vor, dass sie sich nie entschuldigt hätten? Weil Russland eine Großmacht ist, müssen wir Putin verstehen und unsere Rachegelüste(?) zügeln? Hatte Russland einen Flugzeugabschuss frei?

Als die Welt in Zeiten des Kalten Krieges in Gut und Böse zerfallen gewesen wäre, hätten wir genau gewusst, wo wir standen. Augstein gibt seiner Kolumne das Motto „Im Zweifel links“. Ideologisch ist er dann im Kalten Krieg stehen geblieben.

Er publiziert unaufhörlich zum Palästinakonflikt, ohne sich von Fakten beeindrucken zu lassen. Dürfen wir dennoch hoffen, dass er seine Schuld-Prämisse jetzt auch dort anwendet?

Update 1. 4.: Jakob Augstein fertigt vermutlich jetzt auch die Infographiken von Spiegel Online. Am 1. April(!) wurde auf den Jahresbericht von Amnesty International über weltweite Todesurteile und Hinrichtungen berichtet.

Bei Amnesty ist immerhin von zwei Hinrichtungen im Gazastreifen die Rede. Auf der SPON-Infographik ist Gaza bzw. Palestinian Authority nicht aufgeführt. Dass im Gaza-Streifen mit 1,8 Millionen Einwohnern und 40 Hinrichtungen 2014 die Hamas in der Relation Iran und China übertrifft, ist in der SPON-Redaktion niemandem aufgefallen.

Dass Spiegel-Kolumnist und Freitag-Besitzer Augstein Antisemit ist, belegen Lukas Betzler und Manuel Glittenberg: „Die Textanalyse (von Augsteins Spiegel-Kommentaren; GS) hat gezeigt, dass sich in Augsteins Kolumnen auf allen sprachlichen Ebenen Verbal-Antisemitismus finden lässt. Dieser Antisemitismus artikuliert sich dabei fast ausschließlich über den „Umweg“ Israel und überwiegend implizit. Israel wird mit antisemitischen Stereotypen assoziiert, es wird dämonisiert, delegitimiert und nach einem unikalen Maßstab bewertet. (unikal: der Maßstab wird nur auf Israel angewendet; GS) Dabei zeigte sich, dass Augsteins Wahrnehmung Israels und insbesondere des Nahostkonflikts stark von antisemitischen Deutungsmustern geprägt ist. Dass diese Mentalitätsbestände durch die lange Geschichte der Judenfeindschaft tief in den europäischen Gesellschaften verankert sind und immer noch das Denken und Sprechen über Juden – und seit 1948 auch über Israel – prägen, wird von Augstein jedoch nicht reflektiert. Diese fehlende Reflexion auf die Kontinuitäten insbesondere in der deutschen Gesellschaft verbindet und erklärt sich mit einem auf „Judenhass“ reduzierten Antisemitismusbegriff.

Das Magazin steht dem Mitinhaber nicht nach:

„Raketen gegen Steinewerfer“ – „Das Bild Israels im Spiegel“: Eine Inhaltsanalyse der Berichterstattung über Intifada 1987-1992 und „Al-Asqa-Intifada“ 2000-2002

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