Platz der Demokratie

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Um ausgewogen zu berichten geht es jetzt einmal um einen thüringischen Straßennamen. Bisher hatte ich vor allem Brandenburg im Visier. Neben Brandenburg ist auch Thüringen  ein Land, in dem die alten Einstellungen und Strukturen lange leben. Man kann sogar von sehr langer Dauer sprechen: In Thüringen gab es einen kommunistischen militärischen Aufstand, mit dem die Weimarer Republik beseitigt werden sollte. Und jetzt ist es das Bundesland, in dem mit knapper Mehrheit ein Linker Regierungschef werden könnte. Dabei sah es nach der Revolution so aus, dass dieses Land in unmittelbarer Nachbarschaft zu Westdeutschland, mit kräftiger Aufbauhilfe aus Bayern und Hessen, die Jahre der SED-dikatutr und des wirtschaftlichen Niedergangs am schnellsten abschütteln könnte. Allerdings geben die CDU-Ministerpräsidentin und die mitregierende SPD ein klägliches Bild ab und da bleibt wohl nur die Linkspartei übrig.

Im Norden Weimars liegt die kleine Gemeinde Kromsdorf. Im dortigen Schloss gibt es eine Verkaufsstelle des „Weinhauses zu Weimar“. Dieses Weingut des schon an der Saale als Weinproduzent tätigen Prinzen zur Lippe produziert in der Umgebung seit kurzem auf wenigen Hektar exzellente Weine. Es knüpft an eine Tradition an, die vor 150 Jahren abbrach.

Der Schlossplatz heißt, ja nun, „Platz der Demokratie“.

DDR-Straßenschild Demokratie

Das scheint eine realsozialistische Tradition zu sein: Propaganda, wo es nur geht, an Häuserwänden, auf Plakaten, in der Wochenschau, bei Straßennamen.

Um genau zu sein: Der Platz in dem Dörfchen wurde kürzlich umbenannt in „Stéphane-Hessel-Platz“. Der Namensgeber, Sohn des Schriftstellers Franz Hessel, Jude, französischer Widerstandskämpfer, KZ-Häftling, Kapitalismuskritiker und Verfasser eines weit verbreiteten Pamphlets „Empört Euch!“.

Was gerne übersehen wird, Hessel ist, so paradox das klingt, Antisemit und Antizionist. In seinem 13-seitigen Pamphlet, in dem er sich nicht die Mühe macht, irgend etwas zu begründen, empört er sich über die Nazis, den Kapitalismus und vor allem über Israel. Er schiebt Israel ein Kriegsverbrechen in die Schuhe, das laut UN-Tribunal die Hamas begangen hat. Dies wurde in keiner weiteren Auflage getilgt. Weniger Empörung, mehr Reflexion und Wahrheit wäre angebracht gewesen. Insofern ist der jetzige Platzname aber ein „würdiger“ Nachfolger für diesen thüringischen Platz der Demokratie.

„Darf man sich auch nicht entrüsten?“  Pierre Assouline in Le Monde; in französisch
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