Die friedliebende DDR lebt in Straßennamen weiter

Gepostet am Aktualisiert am

Eine Errungenschaft der DDR hat man behalten: den Frieden in den Straßennamen – Friedensstraße, Straße des Friedens, Friedensallee, Friedensplatz, Brücke des Friedens. 

Umbenannt wurden nach der Revolution 89/90 einige Straßen mit Namen von DDR-Politiker/-innen. Die Straßen mit den Namen marxistischer Helden wurden beibehalten: Friedrich-Engels-Straße, Karl-Marx-Straße, Leninstraße (eine Straße und ein Denkmal habe ich entdeckt), Ernst-Thälmann-Straße, Karl-Liebknecht-Straße oder Rosa-Luxemburg-Straße. Vielfach blieben auch  „Genitivstraßen“ erhalten: Straße des Aufbaus, Straße der Widerstandskämpfer, Straße der Nationen, Straße des Komsomol, Straße der deutsch-sowjetischen Freundschaft, Platz der Einheit (gemeint ist der Zusammenschluss von KPD und SED, nicht etwa die Vereinigung 1990!), Straße der Jugend oder Straße des 7. Oktober, benannt nach dem Nationalfeiertag der DDR. Die Potsdamer Stalinallee (entsprach ungefähr dem Verlauf der heutigen Berliner Straße) hatte man 1961, acht Jahre nach Stalins Tod, umbenannt.

Schießausbildung im Unterricht

 

Es ist bemerkenswert, dass das nicht weiter der Rede wert ist. Die DDR war alles andere als ein Friedensstaat. Sie war innen- und außenpolitisch aggressiv und militaristisch. Die NVA sah sich in preußisch-nationaler Tradition, die Bundeswehr galt als wilhelminisch-militaristisch. Es gab die paramilitärische „Gesellschaft für Sport und Technik. Dann gab es die Betriebskampftruppen, eine Art Miliz. In den Schulen stand Wehrkunde auf dem Lehrplan, in den Lesebüchern gab es Loblieder auf die NVA. Die Grenztruppen schossen auf die eigene Bevölkerung, wenn die ausreisen wollte.

Jeder achte DDR-Bewohner war Mitglied in einer militärischen Organisation (Bundesrepublik: Jeder vierzigste).

Während die DDR die westdeutsche Kriegsdienstverweigererorganisation finanziell und organisatorisch unterstützte, gab es bei ihr kein vergleichbares Recht. Innerhalb der NVA wurden Baubataillone für diejenigen eingeführt, die den Dienst mit der Waffe verweigerten. Die in der NVA schon auffällige Selbstmordrate lag dort noch höher.

Der SED-Nachfolger „Die Linke.“ hat sich scheinbar von dieser Vergangenheit losgesagt: Sie bekämpfen den Besuch von Jugendoffizieren der Bundeswehr in Schulen. Die SED unterstützte weltweit Terrorgruppen mit Geld und Waffen, auch linke und rechte westdeutsche Extremisten fanden bei ihr Gehör. Sie schickte dem Vietcong die schreckliche Tellermine „Made in GDR“, weitere Waffen und Ausbilder. Aber die ostdeutschen Straßennamen suggerieren bis heute, dass die DDR ein friedliebender Staat gewesen wäre.

Eine Straße der Friedlichen Revolution ist mir allerdings nicht bekannt.

Wenigstens ein Gutes hat die Beibehaltung der Karl-Marx- und Thälmannstraßen in fast jedem brandenburgischen Dorf: Man wird daran erinnert, wem man 40 Jahre Unfreiheit verdankt.

  •  Siehe auch hier und hier im Blog!
  •  Frank Pergande in der FAZ über Straßennamen im mecklenburgischen Güstrow
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