Darf man Putin mit Hitler vergleichen?

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Die deutschen Putin-Versteher/-innen beschäftigen mich weiter.

Hängt die Sympathie für Putin vielleicht mit Verdrängtem aus der deutschen Geschichte zusammen? Die aktuellen Parolen wie „Einkreisung Russlands“, „mangelnder Respekt“, „fehlende Augenhöhe“, „Einflusszonen“, „Heimholung russischer Erde“ lassen sich unschwer auf das Verhältnis der Großmächte und weiterer europäischer Staaten zum Deutschland der Zwischenkriegszeit, den 20er und 30er Jahren, übertragen. Ich beschränke mich auf territoriale Aspekte, lasse ökonomische (u. a. „Made in Germany“ als Diskriminierungsmerkmal), auch die – nicht nur in Deutschland – kritisch gesehene Alleinschuldthese mit ihren Folgen und die an England und Frankreich gescheiterten Abrüstungsverhandlungen weg.

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Den Hinweis verdanke ich dem Buch von Stefan Scheil, Ribbentrop, Berlin 2013

1919 gingen verloren: Posen-Westpreußen, Danzig, Memelland, Ost-Oberschlesien, Hultschin, Elsaß-Lothringen, Saarland, Eupen-Malmedy, Tondern-Apenrade-Hadersleben. Es waren keineswegs nur die Nationalsozialisten, die diese Gebiete wieder heimholen wollten. (Polen beanspruchte darüber hinaus in der Zwischenkriegszeit Schlesien und Ostpreußen. Es sah seine Einflusssphäre bis zur Oder-Neiße reichen, manche sahen sie auch an der Elbe.)

1949 zeigte die SPD auf einem Wahlplakat die Grenzen Deutschlands von 1914. Ich musste die eben genannten Namen noch in den 60ern in der Schule auswendig lernen.

Für den Anschluss des Sudetenlandes mit seinen 3,5 Millionen Deutschsprachigen holte sich Hitler, anders als Putin bei der Krim-Besetzung, das Plazet der europäischen Mächte. Für den Anschluss Österreichs brauchte er, anders als Putin im Falle der Krim, keine fadenscheinige Abstimmung unter der Aufsicht der Armee. In Österreich gab es in der politischen Führung und in der Bevölkerung nicht wenige Stimmen (laut Umfragen 90%), die nach der Zerschlagung der k.u.k. Monarchie sich eine sinnvolle Zukunft Restösterreichs nur innerhalb Deutschlands  vorstellen konnten.

Putin verfolgt eine Politik, die schon die Weimarer Regierungen angedacht haben, die Hitler durchsetzte (und dann wollte er auch noch den Rest Europas, vielleicht auch der Welt, vereinnahmen).

Kein Wunder, dass er in Deutschland auf viel Sympathie trifft. Putin zeigt eben, anders als Hitler, wie man es erfolgreich macht.

Update November 2014: P. bleibt sich treu. Bis 1989 hatte Moskau die Existenz des Htler-Stalin-Paktes von 1939 bestritten. Als Putin Polen besuchte, verurteilte er den Pakt. Jetzt sagte er vor Historikern in Moskau: „Die UdSSR wollte damals nicht kämpfen. Was ist schlecht an einem Vertrag, der ihr das ermöglicht?“

 

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Ein Kommentar zu „Darf man Putin mit Hitler vergleichen?

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