Die RAF in der DDR

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Etwa zehn Terrorist/-innen der „Rote Armee Fraktion“ (RAF), die in Westdeutschland 34 Menschen umbrachte, fanden von 1979 bis 1982 an einem geheimen Ort nahe der Autobahnabfahrt Briesen bei Fürstenwalde Zuflucht. Sie wurden in Westdeutschland mit Hochdruck gesucht. In dem geheimen Gebäudeensemble im Wald wurden sie auf ein unauffälliges Leben in der DDR vorbereitet, mit falschen Namen und Lebensläufen. Allerdings sollen sie auch in der Uckermark militärisch fortgebildet worden sein. Einige sollten im Westen als Agenten des MfS eingesetzt werden.

Nach der Revolution, in den 90er Jahren, wurden die Untergetauchten u. a. in Schwedt, Neubrandenburg, Senftenberg und Berlin-Marzahn festgenommen. Nach Verbüßung eines Teils ihrer Haftstrafen wurden sie begnadigt.

– nach: Geheime Orte in Brandenburg. Ein Ausflugführer für die ganze Familie, Berlin 2012
Mehr zu RAF und DDR:
Stasi-Unterlagenbehörde
Martin Jander, Vereint gegen Israel? Die DDR und der westdeutsche Linksterrorismus, 2007
Jeffrey Herf, Undeclared Wars With Israel

Update April 2016:  Wie so viele bin auch ich auf die gängigen Narrative hereingefallen: Die DDR wäre „Ruheraum“ für die linken Terrorist/-innen gewesen. Sie hätten sich in der DDR zur Ruhegesetzt.

Die Journalistin Renate Igel hat ca. 60.000 Blatt Stasi-Unterlagen gelesen. Obwohl das MfS 1989/90 die Akten seiner Terror-Abteilung (HA XXII) besonders gründlich vernichtet und die BStU erstaunlich viel geschwärzt hat, kann sie einiges rekonstruieren: Wie sehr Ostberlin innerhalb des Ostblocks Zentrale für Terrorismus-Aktivitäten war, wie Terroristen aus Japan, Palästina, Italien und Westdeutschland in die DDR ein- und ausreisten, wie international die RAF vernetzt war. (Zwei RAF-Terroristinnen waren mit hochrangigen palästinensischen Terroristen verheiratet.) Wie stark das MfS von Anfang die RAF unterstützt hat, wie oft DDR-Waffen bei Anschlägen in Westdeutschland in den 70er und 80er Jahren eingesetzt wurden.

Zwar gibt es Kritik an den Thesen von Frau Igel. Sie würde zu viel in die dürren Befunde hineinlesen. Aber warum z. B. erhält die Terroristin Inge Viett, die in der DDR angeblich ein Kindererholungsheim leitet, fast 90.000 Mark und reist ständig nach Westdeutschland? Woher kam der mit Pflastersteinen beladene Lastwagen, mit denen gleich zu Beginn der 68er Bewegung in der legendären „Schlacht am Tegeler Weg“ um sich warfen?

Es gab unter den Terroristen der RAF und der Bewegung 2.September IMBs, also inoffizielle Stasi-Mitarbeiter mit besonderem Auftrag; sie sollten aktiv werden, negative Propaganda machen, zu oppositionellen Aktivitäten aufrufen und sie mitorganisieren. Es gab auch Doppelagenten, die gleichzeitig für den BND, den westdeutschen Auslandsgeheimdienst, arbeiteten.

Letzteres erklärt wohl auch, wie der Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Buback vermutet, warum Gerichte den Mord an seinem Vater nie aufklären konnten. Der Geheimdienst hielt, wie heute der Verfassungsschutz bei den NSU-Morden, seine schützende Hand über die Terroristin Verena Becker.

Buchbesprechung auf 3SAT (2012)

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Siehe auch: Das MfS und der westdeutsche Rechtsterrorismus

Nachtrag 2017: mdr-Sendung am 24.10. 17

 

 

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Ein Kommentar zu „Die RAF in der DDR

    […] Herf betont, dass die SED Wert darauf gelegt habe, dass über das Büro der PLO in Ostberlin keine Terroraktionen der Palästinenser nach Berlin (West) und Europa gelangten. Er vermutet, dass das auch bei der RAF so gewesen sei. Die habe von der DDR Asyl bekommen, mehr nicht. Das ist nicht ganz richtig, auch wenn es ein beliebtes Narrativ ist. […]

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