Lechts und rinks verwechselt

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Als ich gestern den Artikel von Swetlana Alijewitsch in der FAZ online fand, fiel mir auf, dass von den 128 Kommentaren gefühlt Zweidrittel negativ waren und diese Kommentare wiederum in zweistelliger Höhe „geliked“ wurden. Negativ heißt: „Antirussische Hetze“, „russlandfeindliche Medien“, „alles gelogen“, „Geschichtsklitterung“… Nun ist es üblich, dass in den „sozialen“ Medien weniger sachlich argumentiert als übel beschimpft wird. Am Rande bekomme ich das in meinen beiden Blogs auch mit. Dass jetzt auch die FAZ zugespamt wird, war mir neu.

Heute Morgen höre ich im Deutschlandfunk, dass das nicht ganz zufällig zu sein scheint, sondern eine rechtsextreme Kampagne sein soll. Es soll ein Zusammenhang bestehen zu den wieder auflebenden Hartz-IV-Montagsdemonstrationen. Die allerdings würden jetzt von Rechtsextremen inszeniert. Beweise: Plakate und Parolen mit antiamerikanischem, antikapitalistischem, antisemitischem  Inhalt. Nun ja, alle Beispiele, die der Radio-Journalist als Beleg nannte, lassen sich auch im linken politischen Spektrum oder im heutigen Russland finden.

Ich bezweifle durchaus nicht, dass die Kampagne aus der rechtsextremen Ecke kommt. Zwar neige ich nicht zu Verschwörungstheorien, aber die politische Großwetterlage begünstigt Extremisten. Dass Linke und Rechte Hand in Hand arbeiten, ihre Parolen ähnlich oder gar identisch sind, fällt in einer Gesellschaft nicht auf, in der die Linken unerschütterlich zu den Guten zählen, den Rechtsextremismus erklären dürfen oder in Talkshows definieren, was soziale Gerechtigkeit wäre und die EU zu einer aggressiven, militaristischen Organisation machen.

Dass sich die Extreme berühren, sich ähneln, identisch sind, ist ein deutsches Tabu. Kritische russische Journalisten, sofern sie noch nicht im GULag einsitzen, vergleichen Putins Politik mit der Hitlers. Wenn ein deutscher Minister das tut, fallen politisch korrekte Medien über ihn her und ein Heer von Journalisten erklärt dem Volk, warum man das nicht sagen darf.

Manchmal geht rechts und links, links und rechts biographisch bruchlos ineinander über: Mussolini war erst Sozialist, dann Faschist (M. E. sah er keinen Unterschied). Er war Chefredakteur der der Zeitschrift „Avanti“ der italienischen Sozialisten.

Hitler sagte in seinen frühen Reden „Wir Sozialisten“, Goebbels sprach noch 1931 davon, dass die NSDAP die Verkörperung der deutschen Linken wäre.

Es mag vordergründig erscheinen, aber klingt der „Stürmer“ nicht wie eine Übersetzung von „Avanti“?

Götz Aly hat einmal aufgelistet, dass Kindergeld, Mieter- und Kündigungsschutz, Krankenversicherung für Rentner und Naturschutz aus den späten 30er Jahren stammen oder in dieser Zeit erheblich verbessert wurden.

Steuerung der Wirtschaft, Verstaatlichung der Banken, Kollektivismus und starker Staat sind Bestandteil linker und rechter Ideologien.

Wenn ich meinen Schülern das NSDAP-Programm von 1919 gab, ohne zu sagen, von wem es stammt, tippten sie auf KPD.

Johannes Agnoli, der Vordenker der 68er Bewegung, war Mitglied der italienischen Neofaschisten, bevor er in Berlin Professor am linken Otto-Suhr-Institut und Vordenker der 68er Bewegung wurde, Roland Freisler, der berüchtigte Volksgerichtshofpräsident, war in seinem früheren Leben Sozialist gewesen. Bernd Rabehl, ein linksextremer 68er, trägt 1998 vor einer rechtsextremen Burschenschaft über die kulturelle Überfremdung westlicher Gesellschaften vor. Der Rechtsextremist Jürgen Elsässer war früher Linker, Horst Mahler, RAF-Anwalt und -Sympathisant ist seit Jahren rechtsradikal.

Der rechtskonservative Journalist Alexander Gauland (früher FAZ, MAZ, heute AfD) hält es für richtig, dass Putin die „russische Muttererde“ Krim heim ins Reich holt. Putin lädt als Wahlbeobachter zum „Referendum“ auf der Krim rechtsextreme europäische Parteien und die deutsche Linkspartei ein. OSZE-Wahlbeobachter lässt er nicht zu.

Es geht ganz schnell, von rinks zu lechts zu wechseln, Putin macht es gerade vor. Das schwule, von den (jüdischen?) US-Finanzkapitalisten abhängige, dekadente EU-Europa ist für Marine Le Pen und für Wladimir Putin Feind.

 

 

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