Deutsche Kommunisten und der rote Terror. Eine Ausstellung der Linkspartei

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»Ich kam als Gast in euer Land gereist …« so heißt die Ausstellung im brandenburgischen Landtag.

Eine Ausstellung, die viel über das Selbstverständnis der Linkspartei verrät – auf den zweiten Blick. Schicksale deutscher kommunistischer Familien, die vor der Verfolgung durch die Nazis in den 30er Jahren ins Paradies der Werktätigen geflohen waren. Dort waren sie dem roten Terror ausgesetzt, absurden Anklagen als Spione, Agenten, Saboteure. Familienväter wurden von den NKWD-Kommandos gefoltert, in die sibirischen Lager geschickt oder liquidiert.

Nach dem Krieg durften die Überlebenden nach Deutschland ausreisen. Dokumentiert sind Lebensläufe aus sieben Familien. Alle wollten in die DDR ausgesiedelt werden. Der Kinder machten Karrieren in der NVA und anderswo.

Auf den ersten Blick ist man überrascht, dass ausgerechnet die Rosa-Luxemburg-Stiftung der Partei „Die Linke.“ eine solche Dokumentation finanziert.

Auf den zweiten Blick wird erkennbar warum. Der stalinistische Terror wird zwar nicht verschwiegen, aber er ist nicht das Hauptthema. Mögen die Schicksale noch so schlimm gewesen sein, über den Kommunismus und die Sowjetunion fällt kein böses Wort. Mag der Terror noch so schlimm gewesen sein, das war kein Grund vom Glauben abzufallen. Die Opfer bleiben dem mörderischen System verhaftet. Die Partei besitzt die höhere Weisheit. Wenn die Partei erkannt hatte, dass man Fehler gemacht hatte, war das zu akzeptieren. Man trug schließlich auch als Opfer zum Gelingen des Werks bei.

Es ist so, wie es Swetlana Alexijewitsch in ihrem Buch „Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern das Sozialismus“ erzählt. Die weißrussische Historikerin führte Interviews darüber, wie Sowjetbürger mit den Veränderungen nach dem Zusammenbruch des Imperiums fertig werden. Oft wird dabei der guten alten Stalinzeit nachgetrauert. Es gab klare Strukturen. was in der Prawda stand war wahr, die Partei hatte immer Recht. Wer sich mit den sozialistischen Visionen identifizierte und für deren Erfüllung kämpfte, indem er Neuland unter den Pflug nahm, Kanäle aushob oder Eisenbahntrassen durch unwirtliche Gegenden legte, fühlte sich einer großen Sache zugehörig. Man erinnert sich an eine große Zeit. Da ging es nicht wie später bei Jelzin, Gaidar und Konsorten um schnöden Mammon, die Yacht und die Villa auf Zypern.

Man war von Feinden umgeben beim Errichten des proletarischen Paradieses. Da durfte man nicht zimperlich sein. selbst wenn nicht die Zarenfamilie, die Popen und die Bauern ausgemerzt wurden, sondern Parteimitglieder bis hinauf in höchste Ebenen und normale Bürger.

Das ist der Subtext dieser Ausstellung: Der rote Terror Stalins ist kein Grund, dem Kommunismus abzuschwören.

Ähnlich: Ein Film der Luxemburg-Stiftung über kommunistische deutsche Stalinismusopfer.

Wieso fallen diese so entsetzlich behandelten Menschen nicht von ihrem Glauben an den Kommunismus ab?wieso üben sie keine Kritik am Stalinismus. (Im Film, bei dem es um andere Menschen als in der Ausstellung geht, äußern sich einige Nachfahren dagegen aggressiv über die kapitalistische BRD.)

Auf eine bedenkenswerte Vermutung stoße ich in der Rezension eines Buches über einen deutschen Architekten, der, verheiratet mit einer 150prozentigen Kommunistin, Anfang der 30er Jahre nach China geht. Seine Frau spioniert für den sowjetischen Geheimdienst GRU. Er selbst wird später sowjetischer Spion in Teheran. Dort fliegt er auf und wird der  sowjetischen Botschaft übergeben. Die Bolschewisten stecken in zehn Jahre in den GULag.

Sein Sohn versucht die Lebensgeschichte zu rekonstruieren (Rudolf Hamburger, Zehn Jahre Lager. Als deutscher Kommunist im sowjetischen GULag). Dass der Vater nie darüber sprach, so vermutet er, könnte auch damit zusammenhängen, dass er sich schämt, dass er den falschen Idealen anhing, dass er getäuscht wurde, dass er den Antikommunisten aber keine Argumente liefern wollte.

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