Was heißt eigentlich „linksalternativ“?

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Gewiss, ich weiß, dass die taz eine linksalternative Zeitung ist und dass Hausbesetzungen linksalternativ sind. Seit ich in Potsdam lebe, begegnet mir das Wort fast täglich in der Zeitung. Hier gibt es nämlich zahlreiche „linksalternative“ Wohn-, Jugend- oder Kulturprojekte. Sie erfreuen sich großzügiger finanzieller Unterstützung durch die Stadt und die stadteigenen Betriebe. Das Wort linksextrem existiert in Potsdam und seinen Zeitungen dagegen nicht.

Selbstverständlich ahne ich, dass es etwas mit linken Ideologien zu tun haben muss: Mancher Pädagoge, manche Pädagogin aus den alternativen Potsdamer „Projekten“ ist Mitglied der Partei „Die Linke.“ Es gibt „alternative“ Pädagogen, die Jugendlichen in Kursen den Marxismus, wie er wirklich sein soll, erklären. Auf dem linksalternativen Kinderfest darf lustig mit aufblasbaren Baseballschlägern gespielt werden. (Siehe frühere Beiträge im Blog.)

Wovon grenzen sich diese Alternativen ab? Vom Linkssein überhaupt, vom Mainstream-Sozialismus, von der Linkspartei? Gibt es alternative Briefmarkensammler oder Handballerinnen? Wie müssen wir uns eine alternative Gesellschaft vorstellen? Sehnen sie sich wie die Linken in der Linkspartei nach dem Systemwechsel?  Gibt es auch nichtalternative Hausbesetzungen? Fragen über Fragen.

Auf der Suche nach der Wortbedeutung surfe ich zu Wikipedia. Zu meiner großen Überraschung gibt es den Artikel gar nicht. Man wird weitergeleitet.

Die, wie so oft, ergiebigere englischsprachige Wikipedia, lässt ahnen, dass das Alternative in Bezug zum etablierten Kommunismus/Sozialismus gesetzt wird. Alternativ sind kleine und kleinste Parteien am linken Rand des linken Spektrums, oft sind es Trotzkisten, die sich alternativ nennen.

Bei ihrem Marsch durch die deutsche Sprache sind die Alternativen längst weiter. Feinsinnige Differenzierungen zwischen alternativ und extrem, nach denen ich suche, sind von gestern. In der Zeitung der Lehrergewerkschaft GEW berichtete ein Wissenschaftler unlängst das Ergebnis seiner Forschungen, nämlich dass es Linksextremismus gar nicht geben könne.

Noch etwas ist bemerkenswert: Rechtsalternativ gibt es im Sprechen und Denken der Linken und der Medienleute nicht. Dort gibt es nur Nazis, Rechtspopulisten, Pöbel, Pack und Dunkeldeutschland.

 

Linken Pöbel, der in Demonstrationen randalierend durch Innenstädte wie etwa Leipzig oder Frankfurt zieht, gibt es nicht. Linkes Pack, das bei Pegida-Demonstrationen Polizisten verletzt und Fensterscheiben zertrümmert, gibt es nicht.

In der deutschen Wikipedia werden Linksalternative, Linksautonome, Antifa-Krieger/-innen unter „Neue Soziale Bewegungen“ subsumiert.

Das Wort „linksautonom“ hätte ebenfalls eine Betrachtung verdient. Es ist noch großmäuliger. Denn die Linksextremist/-innen, die sich „autonom“ nennen, sind alles andere als das. Wieder am Beispiel Potsdam: Die linken Kulturzentren behaupten, autonom zu sein. Dabei erhalten sie Grundstücke von der Stadt und jährliche Zuschüsse aus den Gewinnen städtischer Firmen (Dann steht das nicht im städtischen Haushalt.)

Die Rote Flora in Hamburg wird den Linksextremisten ohne Mietvertrag von der gemeinnützigen Laewaetz-Stiftung zur Verfügung gestellt. Sie verwaltet das Haus treuhänderisch für die Stadt Hamburg. Die Besetzer haben einen gemeinnützigen Förderverein gegründet. Über die Einnahmen aus Veranstaltungen und Spenden erfährt man nichts.

Nachdem das Haus und ihre Bewohner jahrzehntelang mit den traditionellen 1.Mai-Krawallen in Verbindung gebracht wurde, würden sich die „autonomen Bewohner/-innen zunehmend von Gewaltexzessen abgrenzen. So behauptet das  zumindest die linksextremealternative taz. Der Verfassungsschutz kommt dagegen zu einem anderen Ergebnis. Nach ihm haben die Flora-Extremisten seit Monaten geplant, wie man die G20-Konferenz stört. Flora-Sprecher A. Blechschmidt hat nichts gegen Gewalt. Für ihn übt die andere Seite, der Kapitalismus, Gewalt aus, die mit Gegengewalt beantwortet werden muss.

Was wäre eigentlich, wenn die Rote Flora eine Braune Flora wäre? (Update:) Was dann passiert, haben die Linksfaschisten gerade in Halle demonstriert.

 

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Ein Kommentar zu „Was heißt eigentlich „linksalternativ“?

    […] gut vernetzten linken Szene in Potsdam gehört auch das “linksalternative” Kulturzentrum Freiland. Es liegt auf einem ehemaligen Firmengelände, das jetzt einer […]

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