Die Juden und die DDR: Neue Linie ab 1988

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Zum ersten Mal fand 1988 in der DDR eine Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom 1938 in Anwesenheit des Staatsratsvorsitzenden statt. Honecker hatte verstanden, dass eine Verständigung mit den USA nur gegen Aufgabe von Antisemitismus und Antizionismus zu erreichen war. Der Staatssekretär für Kirchenfragen durfte nach Israel reisen, der Präsident des (west-)deutschen Zentralrats der Juden wurde zum ersten Mal von SED-Kadern empfangen. Die SED hatte sich bereit erklärt, jüdischen Opfern des Nationalsozialismus Entschädigungen zu zahlen. Die FDJ übernahm die Pflege des Grabsteins des Philosophen Moses Mendelstein. Der Straßenbau durch den Weißenseer jüdischen Friedhofs wurde gestoppt. Zwei Ostberliner Synagogen wurden gar renoviert.

War es diese Kehrtwende, die Dr. Gregor Gysi bewog, um die Jahreswende 89/90 den Jüdischen Weltbund um ein Darlehen zu bitten, mit dem er glaubte, die bankrotte DDR weiterführen zu können? Oder war es Chuzpe?

Anfang der 50er Jahre war die SED dem Vorbild Stalins gefolgt, der erneut eine antisemitische Kampagne begann. In Ostberlin wird das Politbüromitglied Paul Merker wegen israelfreundlichen Verhaltens angeklagt, in Untersuchungshaft misshandelt und schließlich zu acht Jahren Haft verurteilt, aus der er vorzeitig entlassen wird.

Nach 1945 waren jüdische Künstler und Autoren wie Hanns Eisler, Anna Seghers, Arnold Zweig und Ernst Bloch bewusst in die DDR gegangen. Zu den SED-Granden zählten zwei Juden: die Politbüromitglieder Albert Norden und Hermann Axen. 1952 verließen aber Zweitausend aus der kleinen ostdeutschen jüdischen Gemeinde das Land.

Update 2016: Siehe auch: Jeffrey Herf, Der unerklärte Krieg der DDR gegen Israel

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