Fröhliche DDR-Aufarbeitung

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… fordert der Potsdamer Zeithistoriker Martin Sabrow.

Manches ist wirklich zum Lachen, was sich in der Aufarbeitungsdiskussion abspielt. Die Scientific Community ist kein Kindergarten. Da geht es  um Arbeitsplätze und Fremdmittel. Zuerst hätten die Opferforscher “abgesahnt” (Wort von mir) und eine “Aufarbeitungsindustrie” (Fremdzitat) errichtet. Die hätte ihren Höhepunkt überschritten, wenn es nach den Alltagskulturforschern geht. Jetzt wird das Gute an der SED-Diktatur erforscht. Man nennt das “kontrollierte Rekonstruktion”. Die anderen haben wohl Pfusch am Bau betrieben. Aufarbeitung wird zur Therapie für beschädigte DDR-Biographien. (Wer hat die mehr beschädigt: die Treuhand oder 40 Jahre Sozialismus?)

Wenn sich Vertreter der unterschiedlichen Aufarbeitungsfraktionen auf Podien begegnen, muss man schon genau hinhören, um die Unterschiede mitzukriegen. Wenn Prof. Sabrow etwa die Verwendung des Wortes “Friedliche Revolution” ironisch kommentiert, Ilko Kowalczuk sie aber rechtfertigt. Oder Jochen Staadt weiß, warum Thomas Krüger dieses Buch und nicht jenes für die Bundeszentrale für politische Bildung ankauft.

„Aufarbeitung“ der DDR klingt „unfroh“, wie Irina Liebmann, die Tochter des kommunistischen Journalisten und Politikers Rudolf Herrnstadt, einmal feststellte. Da wird darum gestritten, ob es nicht doch rechtsstaatliche Elemente gegeben hätte.

Beim Schulwesen wird gerne vergessen, was seine Vorbildfunktion für Gesamtdeutschland beeinträchtigen könnte (niedrige Abiturientenquote, Jugendwerkhöfe, vormilitärische Ausbildung, rezeptives Lernen, die politische Indoktrination).

Das „normale“ Leben und die Alltagskultur würden vernachlässigt, klagen einige Wissenschaftler und erfinden Begriffe wie „Mitmach-„, „Konsens-“ oder „Wahrheitsdiktatur“. Günter Grass hat schon früh erkannt, dass die DDR eine “kommode Diktatur” wäre.

Es gibt Forscher wie Prof. Sabrow, die für Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie kein Erkenntnisinteresse aufbringen. Soziale Marktwirtschaft und Menschenrechte sind ebenfalls keine Bezugspunkte. Der Rechtsstaat als Kategorie ist verbraucht. Wenn es sich schon nicht vermeiden lässt, von Mord, Folter und Repression zu reden, ist der Vergleich mit den Nationalsozialisten aber tabu. Es geschah ja alles in guter Absicht, für die Errichtung eines Paradieses auf Erden, während das Endziel der Nationalsozialisten der Holocaust gewesen sein soll.

Von der Linkspartei hört man, das MfS wäre nichts anderes als eine Art Verfassungsschutz gewesen und an den Außengrenzen der EU gebe es auch Tote. Und im Westen hätte es ebenfalls Berufsverbote gegeben.

Den Schulen in Brandenburg werden weiterhin die beliebten Vergleiche DDR-BRD empfohlen, z. B. wer mehr getan habe für die Frauenemanzipation oder den Antifaschismus. Wehe aber, jemand vergleicht die FDJ mit der Hitlerjugend, die Apotheose der Arbeiterklasse mit der der arischen Rasse, den Fackelzug der Nazis am 30.1.33 mit dem Fackelzug bei Gründung der DDR am 7.10.1949.

Man sollte einmal vergleichen: Die Sterblichkeitsrate bei Atemwegserkrankungen (doppelt so hoch) oder den Ausstoß radioaktiven Jods in Kernkraftwerken (40.000 x höher). Übrigens hat die SED auch schon gerne DDR und BRD verglichen.

Je weniger man weiß, desto lieblicher erscheint die SED-Diktatur. Die DDR, die heute als Lichtgestalt herumgeistert, hat es in Wirklichkeit nicht gegeben, sagt Richard Schröder.

Der Beitrag wurde zuerst 2010 im „Basedow1764“ veröffentlicht.
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Ein Kommentar zu „Fröhliche DDR-Aufarbeitung

    […] im Blog auch „Fröhliche DDR-Aufarbeitung“ und „Kontextualisierung der […]

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