Umwelt in der DDR

Gepostet am Aktualisiert am

Das neue Heft von Guck und Horch (Nr. 76, 2/2012) befasst sich mit der zerstörten Umwelt (Inhaltsübersicht; pdf)

Aus dem Editorial:

„Think Big“ – die kommunistische Diktatur mochte es gern groß. Das ist auch
nicht weiter verwunderlich. Weil das System alle Macht in der Parteiführung
konzentrierte und auf ein weitgehendes Durchregieren von oben nach unten
angelegt war, mussten keine „demokratischen Rücksichten“ auf Menschen und
Umwelt genommen werden. Der Weg war frei für die kommunistischen Großprojekte, von der Schaffung des „sozialistischen Menschen“ in der „Volksbildung“ über die sozialistische Planwirtschaft bis hin zur Kollektivierung in der Landwirtschaft.

Während man die Menschen durch schlichte Unterdrückung noch eine Zeitlang
in die Anpassung an die Verhältnisse zwingen konnte, reagierte die Natur
da unnachgiebiger. Weil die industrielle Produktion im Mittelpunkt stand und
man die Folgeschäden für die Umwelt, so lange es irgend ging, ignorierte, kam
es zu einer rekordverdächtigen Umweltverschmutzung in der DDR. Man sah
den Dreck und roch den Gestank. Anfang der achtziger Jahre hatte die DDR
europaweit die höchsten Pro-Kopf-Emissionen an Schwefeldioxid.
Die Wasserverschmutzung in den industriellen Ballungsgebieten nahm verheerende Ausmaße an. Standorte wie Bitterfeld und Espenhain hätten nach den von der UNO empfohlenen Grenzwerten als nicht bewohnbar eingestuft werden müssen.

Nicht nur in der Industrie, auch in der Landwirtschaft führte das kommunistische Think Big“ zu einschneidenden Schäden an der Natur. Weil man in großem Stil die Felder durch Entfernen natürlicher Entwässerungskanäle und das Abholzen von Hecken an den Feldrainen vergrößerte, stieg die Bodenerosion und die Äcker vernässten. Die Natur verweigerte der SED den Gehorsam. (Hervorhebung von mir; GS)

Hängengeblieben bin ich gleich an:  Jens Schöne, Mauerbau und ländliche Gesellschaft der DDR, in: Horch und Guck 76, Umwelt in der DDR, S. 56ff: Darin u. a.: Der Kreis Eilenburg in Sachsen war 1959 der erste vollständig kollektiviert Landkreis. Mit einem Großeinsatz an Kadern, Justizfunktionären  und Stasi war jeder Widerstand gebrochen worden. Der Kreis war dann auch am stärksten betroffen von den republikweiten Folgen der Kollektivierung: Produktionsrückgang, explosionsartiger Anstieg des Viehsterbens, hohe Konventionalstrafen für die Nichterfüllung von Exportverpflichtungen, Wegfall der Einnahmen aus den hoch besteuerten bäuerlichen Privatbetrieben. Und eine unzufriedene Landbevölkerung, die mit Streiks, LPG-Austritten, dem Anzünden von Scheunen und Flucht in den Westen reagierte.

Unmittelbar nach dem Mauerbau am 13.8. 1961 schlug die Nomenklatura des Kreises Eilenburg, Rat des Kreises, SED-Kreisleitung, MfS-Kreisdienststelle zu: Willkürliche Verhaftungen, Zusammenschlagen von Menschen, Wegnahme von Sachen. Leitende Kader drohten mit Erschießen oder Zähne einschlagen. Im Kreisgebiet herrschte im Spätsommer 1961 das Faustrecht resümiert der Autor.

 

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