DDR-Mythos Kinderkrippe wackelt

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Nachdem Rainer Böhm die jahrelangen Paneluntersuchungen anderer Staaten zu den Folgen frühkindlicher Fremdbetreuung bekannt gemacht, lese ich jetzt den Leserbrief einer ehemaligen Kinderärztin in der DDR. Sie berichtet aus eigenem Erleben, dass in ihrer Sprechstunde gehäuft Infekte bei Kindern auftraten, die bis zum Eintritt in die Krippe gesund waren. Sie konstatiert die stagnierende Sprachentwicklung und erfährt von den Eltern „plötzlich auftretende Verhaltensauffälligkeiten (Schlafstörung, Unruhe, Aggressivität).

Sie fragt, warum man die Erfahrungen mit dem „Großexperiment“ Krippenbetreuung in Westdeutschland und nach der „Wende“ nicht ernst genommen hat und es sogar wiederholt.

Um etwas Gutes über die DDR zu sagen: Man hatte durchaus erkannt, dass die Krippenkinder sich schlechter entwickelten als die Familienkinder, aber man suchte die Lösung in der Verbesserung der Krippenbetreuung. Das wiederum, wie Böhm über die westlichen Forschungsergebnisse berichtet, führt nur zu geringfügig besseren Werten. Auch die allerbeste Krippenbetreuung erreicht die Werte der kognitiven und der Personalentwicklung in vertrauter familiärer Umgebung nicht.

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2 Kommentare zu „DDR-Mythos Kinderkrippe wackelt

    […] Unvergesslich ist für mich, wie sie im Bundestag die DDR Kitas lobt und dabei bleibt, als sie aufgefordert wird, das noch einmal zu überdenken. (Es gibt DDR-interne Untersuchungen über die sprachliche Entwicklung von Kita-Kindern und deren gesundheitlichen Zustand, die die stellvertrende SPD-Vorsitzende Lügen strafen.) […]

    Thorsten sagte:
    29/06/2012 um 2:07 pm

    „Sie berichtet aus eigenem Erleben, dass in ihrer Sprechstunde gehäuft Infekte bei Kindern auftraten, die bis zum Eintritt in die Krippe gesund waren.“

    Das gleiche gilt für Kinder, die in den Kindergarten kommen, aber auch für elterlich betreute Kinder, die beginnen in Krabbelgruppen und auf Spielplätzen gemeinsam zu spielen. Na und?

    Außerdem würde mich interessieren, wie man aus den von Rainer Böhm zitierten „westlichen“ Forschungsergebnissen (wohl der von ihm ständig zitierten Studie des NICHD aus den USA?) ernsthaft Aussagen über die Wirkung der Verbesserung der Krippenbetreuung in der DDR ableiten kann. Ich zitiere mal aus seinem Artikel (Die dunkle Seite der Kindheit, FAZ vom 4. April 2012, S. 7):

    „Je mehr Zeit kumulativ Kinder in einer Einrichtung verbrachten, desto stärker zeigten sie später dissoziales Verhalten wie Streiten, Kämpfen, Sachbeschädigungen, Prahlen, Lügen, Schikanieren, Gemeinheiten begehen, Grausamkeit, Ungehorsam oder häufiges Schreien. Unter den ganztags betreuten Kindern zeigte ein Viertel im Alter von vier Jahren Problemverhalten, das dem klinischen Risikobereich zugeordnet werden muss. Später konnten bei den inzwischen 15 Jahre alten Jugendlichen signifikante Auffälligkeiten festgestellt werden, unter anderem Tabak- und Alkoholkonsum, Rauschgiftgebrauch, Diebstahl und Vandalismus.“

    Inwieweit solche Ergebnisse mit Ostdeutschland vergleichbar sind, mag jeder Leser für sich beantworten.

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