Guerilla-Marketing der Linkspartei

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Die Linkspartei hat ein Riesenproblem mit dem Kandidaten Joachim Gauck. Erinnert er sie doch permanent an ihre Herkunft. Da hilft nur schrilles „Auf-die-Pauke-Hauen“. Hohen Aufmerksamkeitswert haben exotische Gegenkandidaten, der Kabarettist und Schauspieler Peter Sodann, die Ohrfeigerin Beate Klarsfeld oder der Hund von Herrn Ramelow. Ja, auch Kaiser Caligula wollte sein Pferd zum Senator machen. Der hatte allerdings gute Gründe, das Pferd für klüger zu halten als die in der römischen Günstlingswirtschaft zu Amt und Würden gekommenen Togaträger.

Eine Partei, die vor zwei Jahrzehnten sich noch im Besitz der alleinigen Wahrheit wähnte („Die Partei hat immer recht.“), den Parlamentarismus für ein vorübergehendes Übel (Rosa Luxemburg: „Kretinismus“) hält und andere Parteien noch nicht einmal als Kellner, sondern allenfalls im Range von Garderobefrauen sieht, muss natürlich beleidigt sein, wenn man sie noch nicht einmal ins Kanzleramt bittet. Die Nominierung Gaucks ist dann auch ein „Skandal“ (Dr. Gysi). Kein Respekt vor der Linkspartei. In einer der von ihr finanzierten Zeitungen („Junge Welt“) kommt dann folgerichtig der Rostocker Stasioffizier zu Wort, der schon damals Gauck ausbremsen sollte.

Nachtrag: Was mich erstaunt ist, welche Kreise der Hass auf Gauck über die Linke hinaus zieht. Ich dachte immer, der Berliner „Tagesspiegel“ wäre ein liberales, gutbürgerliches Blatt. Die Kommentare zu Gauck, sowohl der redaktionelle als auch die Mehrzahl der Leser/-innenkommentare könnten auch in der „Jungen Welt“ stehen. Auch die taz wird zum Kampfblatt, so dass sich ein Leser beschwert, dass er eine bürgerliche Zeitung kaufen musste, um zu erfahren, was Gauck wirklich gesagt habe. In der taz wird insinuiert, Gauck leugne den Holocaust. „Schweinejournalismus“ nennt das Jürgen Trittin.

Anne Will versammelt auf der Jagd nach Quoten ein bemerkenswertes Sammelsurium an B-Promis um sich: Luc Jochimsen, Eggert, Peter Diestel und den Stern-Journalisten Jürgs, der Wulff lange die Stange gehalten hat und jetzt , wo es keinen mehr interessiert, gegen Wulff schreibt.

Nachtrag 9.3.12: Die Guerilla-Marketing-Experten der Linkspartei haben ein neues Kabinettstückchen fabriziert. Das berichtet die FAZ vom heutigen Tag: Im Berliner Café Einstein sitzt die FDP-Verteidigungspolitikerin mit dem Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, Herrn Schindler. In einem Séparée tagen Linke mit Frau Klarsfeld. Da kommt die von der Linkspartei gestellte Pressefrau von Frau Klarsfeld an den Tisch des BND-Chefs und fordert ihn auf, Frau Klarsfeld zu begrüßen. Die FDP-Frau lehnt das ab. Herr Schindler soll sich, nach übereinstimmender Darstellung, nicht geäußert haben.

Jetzt ist Dr. Gysi empört: Es sei ein „ungeheurer Skandal“, dass der BND-Mann sich geweigert hätte, Frau Klarsfeld die Hand zu geben. Die Bundeskanzlerin müsse ihn umgehend entlassen.

Die Pressestelle der Linkspartei verbreitet, dass Schindler sich „eindringlich entschuldigt“ hätte. Der BND bestreitet dies. Gysi ist´s zufrieden, er schickt seinen Brief nicht ab.

Frau Klarsfeld wollte sich mit Schindler darüber unterhalten, dass der BND, wie neue Erkenntnisse besagen, einen Naziverbrecher in Südamerika als Agenten genutzt hat und ihn deckte. Schindler wird sich mit ihr treffen.

Siehe auch im Blog „Basedow1764“

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2 Kommentare zu „Guerilla-Marketing der Linkspartei

    derblauekaktus sagte:
    14/03/2012 um 8:23 pm

    Mit der Infokompetenz hat Herr Schlamp es hier auch nicht so richtig… Die Junge Welt ist eine durchaus ekelige Zeitung, aber nicht ein von der Linken finanziertes Kampfblatt wie Sie es behaupten. Es gibt sicher Unterstützung, aber Kai Dieckmann ist auch Genosse der taz, ist die dann BILD-finanziert? Zusammenhanglose Ein-Wort-Kampfschlagzeilen – bei Gauck-Kritikern fehlende Infokompetenz, bei Luxemburg hier offensichtlich akzeptabel. Die Behauptung die Linke wolle den Parlamentarismus abschaffen ist ebenso an den Haaren herbeigezogen und bleibt unbelegt. Und dann schreibt der Tagesspiegel auch nicht was Sie wollen – so ein Ärger. Auch in der taz konnte man den richtigen Wortlaut nachlesen, die Kritik an Gauck kann man trotzdem teilen. Günter Gauss tat das schon in den frühen 90ern. Was gerne vergessen wurde ist die verpasste Chance am Anfang der 90er z.B. eine gesamtdeutsche neue Verfassung zu schreiben, dies wird gerne unterschlagen und ist meiner Ansicht nach auch ein Grund für die harten, lange konservierten und bitteren Worte gegen Gauck.

      Basedow1764 sagte:
      21/03/2012 um 11:18 am

      Da der blaue Kaktus (Schon wieder ein neues Pseudonym?) über die heutige Finanzierung des ehemaligen FDJ-Organs „Junge Welt“ so gut Bescheid zu wissen scheint, sollte er sein Wissen teilen.

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