Alternativer Kapitalismus

Gepostet am Aktualisiert am

Potsdam 2012. Erinnerung an 1989

Wenn von Systemwechsel die Rede ist und die finale Krise des Kapitalismus diagnostiziert wird, fragt sich der Betrachter, welches System denn stattdessen gewollt ist. Die Zentralverwaltungswirtschaft, die den Mangel verteilt und zuallererst und oft ausschließlich den Funktionären Wohlstand und gutes Leben schenkt, ist ja von Kuba über Nordkorea bis zur DDR gescheitert.

Wie die Alternative zum Kapitalismus aussehen könnte, zeigen indes Potsdamer Hausbesetzer. Sie haben nach jahrelangem kostenlosem Wohnen qua Besetzung Pachtverträge für die besetzten Häuser zu einem äußerst niedrigen Pachtzins (0,86 oder 1,09 € pro Quadratmeter) herausschlagen können. Nachdem die städtische Immobiliengesellschaft 10 Jahre auf eine Erhöhung verzichtet hat, will sie jetzt eine Erhöhung auf bis zu 1,27 €. Das wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft (z. B. Mobilisierung der Sympathisantenszene, spontane Demonstrationen, Graffitikunst auf Häuserwänden).

Jetzt stellt sich heraus, dass die ehemaligen Hausbesetzer und jetzt Pächter Zimmer zum ortsüblichen Tarif, d. h. dem ca. Dreifachen des Pachtzinses, weitervermietet haben. Die von der örtlichen Presse liebevoll euphemistisch „Linksalternative“ Genannten verweigern den Einblick in ihre Ertragsrechnung und nennen auch die Zahl der Personen, die in den Häusern wohnen, nicht.

Dass es den Linksalternativen ähnlich geht wie der DDR-Wohnungswirtschaft zeigt ihre Argumentation bezüglich der Sanierung. Den städtischen Immobilienverwaltern hatten sie versprochen, die Häuser innerhalb von ca. 12 Jahren zu sanieren. Die Stadt ist bereit, diese Frist zu verlängern. Die Pächter sagen jetzt, nach 10 Jahren, die Sanierung würde zu viel Geld kosten. Das hätten sie nicht.

 

Siehe Märkische Allgemeine vom Tage!

Die Lösung liegt auf der Hand: Sanierung durch die Stadt, nötigenfalls mittels der Schattenhaushalte der städtischen Firmen.

Mir fällt ein Filmchen eines TV-Politmagazins ein: Da wurden eine Mieterin und die Geschäftsführerin einer ostdeutschen Wohnungsgenossenschaft interviewt. Beide fremdelten sichtlich mit der Marktwirtschaft: Keine billigen Mieten mehr. Die Genossenschaft sei nach der Wende völlig verschuldet und hätte kein Geld für die nötige Sanierung. In der DDR wäre das viel besser gewesen. „Wieso?“ fragt der Reporter. Naja, wenn eine Renovierung fällig gewesen sei, hätten sie das Geld vom Bezirk bekommen. Heute müssten sie Kredite aufnehmen und zurückzahlen.

Was die Reporter nicht wussten oder wissen wollten: Beim Untergang der DDR haben die Herrschenden flugs die Staatsschulden als Kreditschulden auf die Kombinate und eben auch die Immobilienverwaltungen umgebucht, so dass die meisten Betriebe überschuldet in die Marktwirtschaft starteten. (Die Treuhand hatte mit diesem Trick nicht gerechnet. Auch das trübt ihre Bilanz.)

Nachtrag: Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg berichtet, dass das Vermögen der 70 reichsten Abgeordneten im chinesischen Volkskongress knapp 90 Milliarden US-Dollar beträgt. Das Vermögen aller Kongressabgeordneter, Minister und oberster Richter in den USA liegt laut Bloomberg bei 7,5 Mrd Dollar. (via Achse des Guten)

Warum verdi-Funktionäre so zahlreich und oft nach Kuba reisen und nicht nach Peking, wundert mich ehrlich gesagt. Da könnten sie doch viel mehr lernen. Zigarren kann man in Peking auch kriegen.

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