Sahra Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus, China statt Neoliberalismus

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Frau Wagenknecht stilisiert sich modisch als Wiedergängerin von Rosa Luxemburg. Sie ist die wirtschaftspolitische Sprecherin und stv. Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei „Die Linke“. Ihr ökonomischer Durchblick wird gerühmt. Sie fehlt in keiner Talkshow, die sich mit Kapitalismus und Bankenkrise beschäftigt.

Neuerdings scheint sie dem Stalinismus, dem sie bisher anhing, zu entsagen. Sie tritt an, die Väter der sozialen Marktwirtschaft gegen die neoliberalen Turbokapitalisten zu verteidigen. In Brüssel und Luxemburg, wo sie als Mitglied des Europäischen Parlaments tätig ist, wird ihr eine Vorliebe für schnelle Autos und teure Restaurants nachgesagt. Angesichts einer so wandlungsfähigen, vielseitigen Persönlichkeit, die sogar in der FAZ eine einfühlsame Reportage bekommt, trat ich dem Gedanken näher, einmal etwas von ihr zu lesen.

Mechthild Küppers, die Berlin- und Linkspartei-Korrespondentin der FAZ hat Wagenknechts Buch „Freiheit statt Kapitalismus“ rezensiert (FAZ v. 21.11.11). Nicht alle FAZ-Federn überzeugen mich so uneingeschränkt wie Frau Küppers. Was sie über das Buch schreibt, motiviert mich nicht gerade, es in die Hand zu nehmen:

Sie wolle einen wettbewerbsorientierten, kreativen Sozialismus, zitiert Frau Küppers. Was dann komme, sei Verstaatlichung von Banken und Versicherungen, von allen Daseinsvorsorgeeinrichtungen (Energie, Wasser, öPNV). Erbschaften über eine Million € würden zu 100% versteuert werden müssen. Wenn es sich um Produktivvermögen handele, gehe es in Belegschaftseigentum über.

Die Darstellung der aktuellen wirtschaftlichen Situation sei äußerst schlicht und personalisiert. Die sozialen Gegensätze wären größer als im Kaiserreich. Als Quelle zitiert die Ökonomin Wagenknecht eine Journalistin.

Wenn Frau Wagenknecht das alles einmal durchsetzt, brauchen wir einen großen Euro-Rettungsschirm.

Sogar das marxistische „Rezensionsforum literaturkritik de“ hält das „eloquent geschriebene“ Buch für „seltsam unterspezifiziert“, wenn es um „kreativen“ Sozialismus gehe. Wie sich die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen mit einer 100%igen Erbschaftssteuer ab 1 Million verträgt, können die marxistischen Rezensenten auch nicht nachvollziehen. Dass sie im Staatskapitalismus Chinas ihr Vorbild findet, begeistert sie ebenfalls nicht.

Auf ihre Dissertation, von der schon länger die Rede ist, darf man angesichts der hier beschriebenen Qualität der Zitate gespannt sein.

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4 Kommentare zu „Sahra Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus, China statt Neoliberalismus

    […] in den USA die Schere zwischen Armen und Reichen weiter öffne. In ihrem kürzlich erschienenen Buch empfiehlt die Stalin-Expertin als Gegenmittel einen kreativen […]

    […] Mehr zu Frau Wagenknecht […]

    […] unter wettbewerbsorientiertem „kreativem Sozialismus“ versteht? Sie fordert in ihrem Buch die Verstaatlichung aller Betrieb der Daseinsvorsorge. Nebenbei: „Daseinvorsorge“ ist […]

    […] Bewegungen und Strömungen der Neu- und neuesten Zeit auf. Vielleicht spielt auch das Verwirrspiel von Sahra Wagenknecht eine Rolle, die angibt, die Väter der sozialen Marktwirtschaft wieder zur Geltung zu bringen, sich […]

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