Der Zusammenbruch der neuen Bundesländer steht kurz bevor!

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Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man liest, wie mittels empirischer Sozialforschung um die Deutungshoheit über die Gemütslage DER Ostdeutschen gerungen wird.

Ich hatte mich daran gewöhnt, dass das Meinungsforschungsinstitut des Vorsitzenden der Volkssolidarität, des auch heute aktiven Wohlfahrtsverbandes der SED, jährliche „Wasserstandsberichte“ veröffentlicht, nach denen die Armut im Osten immer größer würde. Jetzt las ich gerade aus anderer Quelle, dass die Armut in Deutschland abnähme, bzw. dass das Ausmaß der Armut schwanke, je nachdem, wie man sie definiert. Da erst fiel mir auf, dass die Volkssolidarität schon lange kein Untergangsszenario mehr veröffentlicht hat. Der Mann ist anscheinend pensioniert. Jetzt hat die Linkspartei wieder selbst eine Umfrage in Auftrag gegeben, in der herausgefunden wurde, dass es im Osten bergab ginge und zwar immer schneller. Warum sie dafür extra eine Umfrage bezahlen, fragt man sich. Das müssen Frau Kaiser, Dr. Bartsch und Frau Lötzsch doch schon beim Studium des Marxismus-Leninismus in Moskau gelernt haben, dass die Verelendung der Massen im Kapitalismus unausweichlich wäre.

Meine Potsdamer Zeitungen informieren gerne über Umfragen und andere Daten zu Ostdeutschland. Ihre Schlagzeilen sind aufschlussreich. Wenn nämlich neue Berechnungen des Statistischen Bundesamtes belegen, dass der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen West- und Ostdeutschen, der nach 1989 von zwei Jahren auf vier Monate schrumpft, dann wird die Zeitung so aufmachen: „Wer im Osten lebt, stirbt früher.“ Wenn die Arbeitslosigkeit in ganz Brandenburg, mit der Ausnahme eines Landkreises sinkt, heißt der Aufmacher: „Neueste Arbeitslosenstatistik: In der Uckermark nimmt die Arbeitslosigkeit weiterhin zu.“

Nachtrag: Bei regionalen Vergleichen wurde herausgefunden, dass die Lebenserwartung der Männer in Vorpommern 1989 sechs Jahre kürzer war als in Süddeutschland. Auch das fand ich nicht in meinen Potsdamer Lokalzeitungen. Nach der „Wende“ ist der Unterschied in der Lebenserwartung schnell auf zwei Jahre geschrumpft, vor allem wegen der besseren medizinischen Versorgung in Vorpommern. (FAZ 265.7.12, p 10)

Der Potsdamer Geschichtsprofessor Martin Sabrow weiß ganz ohne Umfragen, dass es kein mangelndes Schülerwissen über die DDR in Berlin und Brandenburg gibt. Nein, die Schüler wüssten dafür anderes. Mag sein, dass das Wissen über die Diktatur gering sei. Dafür wüssten sie von der „Aufstiegsmobilität“ in der DDR und dem Sieg der DDR über den Faschismus.

Jetzt veröffentlicht die Otto-Brenner-Stiftung der IG-Metall eine Umfrage. Sie beteiligte sich finanziell an der Panel-Untersuchung des Leipziger Medizinsoziologen Elmar Brähler. Der untersuchte 15 Jahre lang eine Gruppe von Ostdeutschen, die zurzeit der Friedlichen Revolution 14, 15 Jahre alt waren. Sie befragte er zweijährlich aufs Neue. Was dabei herauskam? Die Unzufriedenheit mit der Demokratie, mit dem „Kapitalismus“, mit dem westdeutschen Gesellschaftssystem wüchse von Jahr zu Jahr. Immer besser würde von Jahr zu Jahr die Sicht auf die sozialen Wohltaten der DDR, auf den Sozialismus überhaupt. Die Hoffnung auf den Untergang des gerade herrschenden Gesellschaftssystems verzeichne ebenfalls Wachstumsraten.

Das ist so dreist, dass ich es nochmal wiederhole: Der Medizinsoziologe Brähler befragte seit 1990 in sieben Umfragen dieselben ca. 200 Personen, die beim Untergang der DDR im 10. Schuljahr waren, ob sie die DDR oder die BRD besser fänden.

Update Nov. 2014: Ich finde zufällig bei der Bundeszentrale für politische Bildung die neueste Umfrage von Herrn Brähler und seinen Mitarbeiter/-innen.

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3 Kommentare zu „Der Zusammenbruch der neuen Bundesländer steht kurz bevor!

    Paul Frohnhoff sagte:
    03/11/2014 um 4:34 pm

    Ich kann das nur bestätigen. Die Wendegeneration hat größtenteils ( weil zu jung ) nur igendwelche Abenteuerlager mitbekommen und dann „kam“ ja der Westen, der „alles kaputtmachte“
    Genau so sind die derzeitigen Gedankengänge der Hardliner und Verklärer. Ich muß es selbst in unserem Betrieb feststellen. Es ist wirklich so; ca. 80% der Ostdeutschen zeigen keinerlei Eigeninitiative, machen nur das „was sie sollen“ Oft kommt der Satz : „Wieso, das haben Sie mir nicht gesagt“
    Exemplarisch zeigt das die ganze derzeitige Situation. Es werden gigantische Unsummen in den „Wiederaufbau“ ( der längst beendet ist ) gepumpt, während dessen im Ruhgebiet Straßenbahnen aus den 50-er Jahren fahren, Schwimmhallen geschlossen werden etc. Ich kann es selbst bestätigen : Es sind bereits seit vielen Jahren blühende Landschaften, aber es wird trotzdem weiter genöhlt und kritisiert. Immer nur das leidige „wir hatten alle Arbeit“ und „der Westen ist an Allem Schuld“

    Da frage ich mich wirklich und frage auch direkt : Wenn alles so toll war, wieso wolltet ihr alle weg ? ( Trotz billigem Brot etc. ) Obwohl, DIE sind ja alle weg -und bleiben es. Eine nur sehr geringe Zahl Ehemaliger kommt zurück. Es ist nicht nur der demografische Wandel im Osten.

    Mir kommt ein Großteil hier vor, wie ein Zug oder eine Lok, die entgleist ist, die kein Gleisbett (keine Führung) mehr hat. Orientierungslos, ohne Eigeninitiative. Auch die Lok „sehnt“ sich nach Führung, wo sie langfahren soll. Ansonsten bleibt sie einfach irgendwann stehen.

    Wo die meisten „Linken“ an der Macht sind, da läuft es wirtschaftlich am Schlechtesten. Kein Wunder. Faktisch und nachweisbar ist, dass „die Linke“ noch immer zu über 65 % aus ehemaligen SED Hardlinern besteht, dann einige wenige DDR-Reformer, und der kleinste Teil sind West-Linke- die aber NICHTS mit Diktatur wollen und gemein haben. Problem ist, dass der Hardliner-Kern ist in der Überzahl ist. Hardliner Durchschnittsalter über 60. ( Quelle Internet/Wikipedia u.A. )

    Solange die Alt-SED hier im Osten ihre unnötige Hetze und Verklärung weiter bedient, solange werden immer mehr in den Westen gehen ( Nicht-Hardliner- Ostdeutsche) und die, die aus dem Westem kamen, gehen zurück, weil sie völlig genervt sind. ( Haben in unserer Firma 4 Leute verloren, die deshalb zurück nach Westdeutschland sind ! )

    Die (ent-ideologisierte) Infrastruktur im Osten ist hervorragend, fast vorbildlich, wird aber nicht genutzt. Im Gegenteil, es wird weiter verklärt und gehetzt. Manch andere Städte hätten gern nur einen Bruchteil von diesem (teils) Infrastruktur-Luxus.

    Bald ist 25 Jahre Mauerfall. Ich hatte ein sehr ernstes Personalgespräch
    mit einem Mitarbeiter in unserem Betrieb, da er zum „Volkstrauertag“ am 09.November aufgerufen hatte und Flugblätter verteilte. Es ist schon sehr surreal ….

      Basedow1764 sagte:
      03/11/2014 um 5:18 pm

      Das ist wirklich surreal. Das gibt es doch nicht!

    […] im Basedow1764 zu Meinungsforschung im Osten Teilen Sie dies mit:TeilenDruckenFacebookE-MailGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser […]

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