Abitur in der DDR

Gepostet am Aktualisiert am

„Fröhliche DDR-Aufarbeitung“ fordert der Potsdamer DDR-Fachmann Prof. Martin Sabrow. Bitte sehr:

Treffen sich ein Arbeiter und ein Ingenieur. Sagt der Arbeiter: „Ätsch, mein Sohn kann studieren.“ Antwortet der Ingenieur: „Ätsch, mein Enkel kann studieren.“

Für Wessis und Ostalgiker: Abkömmlinge von Arbeiter und Bauern (eigentlich: Landarbeiter) durften bevorzugt studieren, auch wenn sie schlechtere Leistungen aufwiesen. Der Zugang zum Studium für Kinder aus anderen Gesellschaftskreisen („Intelligenz“) war sehr schwierig, wurde willkürlich gewährt. Für Pfarrerskinder war er nahezu ausgeschlossen. Das führte u. a. zu einer niedrigen Abiturientenquote (14%). Dennoch hatte die SED ein wachsendes Problem. Ein Leserbrief eines Ostdeutschen, 2014 in der FAS v. 9.3.2014 veröffentlicht, illustriert das: „Aus meiner 10. Klasse Polytechnische Oberschule machten 6 von 28 Abitur. Berufe der Eltern: ein Arzt, eine Apothekerin, zwei leitende Angestellte, zwei Ingenieure.“ Als Arbeiter- und Bauernkinder galten auch NVA-Offiziersnachwuchs und Nomenklatura-Kinder. In den 80er Jahren forcierte die SED die Intelligenzforschung, weil immer weniger „richtige“ Arbeiter- und Bauernabkömmlinge Abitur machten.

Ein beliebter Vergleich: Die Jugend der BRD (links) endet im Massengrab, die Jugend der DDR (rechts) wird zum Baumeister des neuen Staates.

(Quelle: Bundesarchiv; gefunden in Horch und Guck, Heft 72, p. 23)

 

Siehe auch: „Warum wurde das achtjährige Gymnasium eingeführt?“

Advertisements

2 Kommentare zu „Abitur in der DDR

    friederikesehmsdorf sagte:
    07/01/2016 um 10:58 pm

    Auch ich stamme aus der DDR, Pfarrerskind…wir waren 5 Geschwister und hatten alle das Abitur..aber zum Teil über Umwege erworben. Die Tatsache, das in den 80 erJahren wieder mehr Kinder aus der Schicht der Intelligenz studieren durften, resultierte auch aus der Erfahrung, daß Arbeiterkinder dazu neigten um 17 Uhr den Stift fallen zu lassen, wie sie es bei den von der Arbeit heimkommenden Eltern erlebt hatten. Man hatte erfahren, daß viele aus der Arbeiterschicht stammenden Studenten ein völlig anderes Sozialverhalten an den Tag legten und eine Arbeitsmoral, die schwierig mit dem Akademischen Beruf in Einklang zu bringen war. Dieses Argument lieferte in einem kulturhistorischen Seminar mein sehr verehrter Prof. Dietrich Mühlberg – Kulturhistoriker – aus einer Proletarierfamilie stammend. Er forschte über die Geschichte der Deutschen Arbeiterklasse. Im übrigen habe ich schließlich an der Humboldt-Universität in Berlin in den 80er Jahren in einer sehr exklusiven und offenen Atmosphäre Kulturgeschichte, Kulturtheorie, Ästhetik und Kunstgeschichte studieren können. In unserem Oberseminar wurden wir beispielsweise zu Fünft von dem Professor wöchentlich mehrere Stunden betreut. Anschließend gab es Wein, Bier und Käse beim Gespräch bis Mitternacht. Auch das war DDR ! Friederike Sehmsdorf

      Basedow1764 sagte:
      08/01/2016 um 8:00 am

      Vielen Dank für Ihren interessanten Bericht.
      Mit freundlichen Grüßen
      GS

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s