Horch und Guck 72: Schule in der DDR

Gepostet am Aktualisiert am

„Sozialistisch lernen
Die Erziehungs- und Fürsorgediktatur DDR
Schwerpunktthema der neuen Ausgabe Nr. 72 (Heft 2/2011) von HORCH UND GUCK

Auf der Suche nach Auswegen aus der Bildungsmisere schielen nicht wenige auf das DDR-Bildungssystem, das in etlichen gesellschaftlichen Gruppen auch heute noch einen nahezu ungebrochen guten Ruf genießt.

Schule in der Diktatur – Die DDR und ihr Bildungssystem

14. September 1988, Ost-Berlin, Gymnasium „EOS Carl von Ossietzky“: An einer Wandzeitung der Schule erschien ein kritischer Artikel, in dem zum Verzicht auf Militärparaden aufgefordert wurde. Angehängt war eine Unterschriftenliste. Was in bundesdeutschen Schulen normale Meinungsäußerung war, geriet im SED-Staat zum Skandal: Vier Schüler wurden von der Schule geworfen, was bedeutete, dass Abitur und Studium in der DDR für sie nicht mehr möglich waren. Maria Nooke und Henning Schluß skizzieren die Entwicklung des DDR-Bildungssystems von den Anfängen bis in die letzten Tage des SED-Staates.

„Gesetzmäßig gerechter Krieg“ – Der Wehrunterricht in der DDR

Mit 220 Stunden Wehrausbildung jährlich nahm die DDR den Spitzenplatz unter den Warschauer-Pakt-Staaten bei der vormilitärischen Ausbildung von Jugendlichen ein.

Auf dem Weg zum neuen Menschen – Umerziehung in den DDR-Jugendwerkhöfen
Jugendwerkhöfe waren Spezialheime für „schwererziehbare und straffällige“ Jugendliche. Einweisungsgründe waren beispielsweise „Schulbummelei“, „Desinteresse am Lernen“, „Alkoholmissbrauch“, „Diebstahl“, „Sachbeschädigungen“. Mädchen konnten auch wegen „sexueller Triebhaftigkeit“ in den Jugendwerkhof kommen. Als Erziehungsmethode der Wahl galt die „Kollektiv-“ oder „Selbsterziehung“. Für die Fehltritte des Einzelnen wurde eine Gruppe bestraft, die dann den Schuldigen in Selbstjustiz so lange misshandelte, bis dieser völlig gebrochen war.

(Meine Ergänzungen: Ca. 120.000 wurden eingewiesen. Statt des verniedlichenden „Werkhofes“ wäre die Bezeichnung Jugendknast ehrlicher.)

Von der Freiheit, zu gehorchen – Die pädagogischen Prinzipien des Marxismus-Leninismus und das Erziehungssystem in der DDR

Die Bildung gehört nicht gerade zu den Kernthemen eines marxistischen Revolutionärs – gibt es doch im Getümmel des Klassenkampfes Wichtigeres als die Kindererziehung. Eines jedoch war den kommunistischen Revolutionären immer wichtig: Gehorsam.

Lust auf Sexualpädagogik? – Sexuelle Erziehung in der DDR zwischen Ideologie und Eigensinn
Schon bald nach dem Mauerfall verbreitete sich im Westen die Nachricht, dass die Brüder und Schwestern im Osten, aufgewachsen in grauen Plattensiedlungen, keineswegs ein völlig freudloses Leben führten. Im Gegenteil, im Osten bemerkte man eine unaufgeregte und scheinbar ganz normale sexuelle Freizügigkeit, die so im Westen nicht verbreitet war. Es wäre allerdings falsch zu glauben, dass die sexuelle Liberalität nun ein Verdienst der politischen Führung gewesen wäre. Im Gegenteil, die SED zeigte sich eher prüde und – was den Umgang mit Homosexualität betraf – auch repressiv. Susanne Zimmermann zeichnet die Stationen der DDR-Sexualpädagogik nach.

THEMA:

DDR-Aufarbeitung störte den Schulfrieden
Der „Schulfrieden“ ist ein hohes Gut – besonders für die SED-nahe Elternschaft, die es zu Beginn der 90er Jahre überhaupt nicht mochte, dass ihre Kinder im Geschichtsunterricht etwas über die kommunistischen Verbrechen in der Sowjetunion erfuhren. Und das ausgerechnet auch noch von einem „Westlehrer“. HORCH UND GUCK-Redakteur Peter Grimm erzählt die Geschichte des West-Berliner Geschichtslehrers Peter Klepper, der 1992 im Rahmen eines Lehreraustauschprogramms an ein Ost-Berliner Gymnasium wechselte und von SED-Altkadern aus der Schule gemobbt wurde.

Schlechter Einfluss auf vietnamesische Studenten.
Die DDR half den „sozialistischen Bruderstaaten“ in der Dritten Welt durch die Ausbildung von Facharbeitern und Ingenieuren. So schickte auch die vietnamesische KP Studenten in die DDR. In den 60er Jahren kam es jedoch zu Spannungen zwischen Vietnam und der DDR.

AKTUELL:

Von der Gefahr, ein Talent zu haben – Die lebensgefährliche „Begabtenförderung“ im DDR-Sport
Die DDR-Hürdenläuferin Birgit Uibel wurde nur 48 Jahre alt. Mit 14 Jahren kam sie an die Kinder- und Jugendsportschule Cottbus – mit 16 Jahren bekam sie erstmals männliche Sexualhormone. Die kleinen blauen Pillen hielt sie für Vitaminpräparate. Als sie 1983 mit 21 Jahren schwanger wurde, verfügte die SED-Parteileitung, sie müsse das Kind abtreiben, weil wegen des Dopings eine Behinderung wahrscheinlich schien. Ines Geipel erzählt die erschütternde Geschichte eines talentierten Mädchens, dem die DDR-„Begabtenförderung“ zum Verhängnis wurde.

HORCH UND GUCK
Zeitschrift zur kritischen Aufarbeitung der SED-Diktatur
Redaktion
Winsstr. 60, 10405 Berlin
www.horch-und-guck.info

Benn Roolf
Tel. 030 / 536 99 894
benn.roolf@horch-und-guck.info

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Ich lese Zeitschriften immer von hinten nach vorn.  Meine Lesetipps erstrecken sich daher vorläufig auf den hinteren Teil:

  • Peter Grimm, DDR-Aufarbeitung störte den Schulfrieden
  • Markus Böick, Grenzgänger des Kapitalismus, über die Treuhandanstalt
  • Ines Geipel, Von der Gefahr, Talent zu haben

Ein Kommentar zu „Horch und Guck 72: Schule in der DDR

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