Von der Mauer geschossen

Gepostet am Aktualisiert am

Deutschlands Osten steckt voller Merkwürdigkeiten.

Die DDR-Weißwäscher in Wissenschaft, Politik und Medien reden von Versöhnung, Wohlfahrtsdiktatur, Alltagsmuseen. Die Potsdamer Neuesten Nachrichten werfen der Stasi-Unterlagenbehörde eine einseitige Opferperspektive vor, Autorinnen machen Lesereisen zur kriminellen Treuhand und der westdeutschen Siegermacht, die die blühenden Landschaften der DDR zerstört hätten. 40 Jahre ruinöse Planwirtschaft sind uninteressant.

Wenn man dagegen offen ist für Menschen und ihre Biographien und ihnen zuhören kann und will, erfährt man erstaunliche Geschichten. Das passiert auf der Kurpromenade in Bad Saarow, wenn man mit Potsdamer Autokennzeichen durch Südtirol fährt, im Fitnessstudio, beim Friseur und immer wieder in Veranstaltungen, in denen Menschen zu Wort kommen, die in der DDR den aufrechten Gang versucht haben. Menschen, die sich gewehrt haben, die sich der Gehirnwäsche entzogen haben, die in der „Wende“ keine Katastrophe sehen. Dafür werden sie von den Mitläufer/-innen und den Profiteuren des SED-Regimes bis heute gehasst. Wie müssen sie das erleben, wenn sie in Brandenburg bis in die höchsten Ämter auf Altkader treffen und Postkommunisten in der Politik wieder das Sagen haben?

Sie tragen es mit bewundernswerter Fassung. Nur selten rutscht heraus, dass sie die Straßenseite wechseln, wenn ihnen Herr Dr. Gysi begegnet oder im Fernsehprogramm weiterschalten, wenn er in der Tagesschau die Politk erklärt.

Ehemalige MfS-Mitarbeiterin verhindert Gedenktafel

Heute steht in der Zeitung eine Geschichte über eine Vergangenheit, die in die Gegenwart hineinragt und nicht vergehen will. 1980 versuchten drei junge Leute die Flucht über die Mauer, eine 18Jährige, ihr Freund und ein weiterer junger Mann. Sie wurden beschossen, die junge Frau tödlich getroffen.

Der Politikwissenschaftler Stefan Appelius hat die Geschichte mühsam recherchiert. Das MfS hat den Mord geheimgehalten, die Leiche wurde in aller Stille eingeäschert. Die Familie hat nie darüber geredet. Eine Tante kämpft gegen die Erinnerung an die Mauertote. Es wäre schließlich kein Verdienst, an der Mauer gestorben zu sein. Sie versucht, eine Gedenktafel zu verhindern. Die Tante war Mitarbeiterin des MfS.

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