Rettet die DDR im Spielfilm!

Gepostet am Aktualisiert am

Da haben es die Angelsachsen einfacher: Bis heute, über 60 Jahre nach dem Krieg, werden deutsche Offiziere und SS-Männer in Soaps und den meisten Spielfilmen als brutale, fanatische Dumpfbacken dargestellt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Dabei waren die Stabsoffiziere meist gebildete Aristokraten und die Waffen-SS bot für nichtadelige Akademiker gute Karrierechancen. Aber ein differenziertes Bild wird nicht eingefordert.

Wehe aber, wenn das in Unterhaltungsfilmen, die in der DDR-Zeit spielen, passiert. Da regt sich der Rezensent des bürgerlichen Tagesspiegel, Joachim Huber,  am 27.9.10 darüber auf, dass die Stasi-Leute im Film „Westflug“ so einfältig gezeichnet waren. Da blieben doch „historische Gerechtigkeit“ und „strukturelle Genauigkeit“ auf der Strecke. So könne das nicht weitergehen. (So machen es Sieger halt. Siehe USA und UK!)

Seine Kollegin Kerstin Decker von derselben Zeitung jubelt, dass in der ARD- Soap „Weissensee“ (Wessis erkennt man daran, dass sie die erste Worthälfte betonen.) den Kommunisten der ersten Stunde ihre Würde wiedergegeben würde. Kollege Huber greift ihre Klage auf: Es würde in Spielfilmen nicht unterschieden zwischen der frühen, der mittleren, der späten DDR. Unrechtsstaat bliebe Unrechtsstaat.

Dabei lassen sich die Phasen gut unterscheiden. Die erste war die brutalste. Da wurden Menschen zum Erschießen nach Moskau gebracht, in die ehemaligen Nazi-KZs gesperrt oder bei der geringsten Kritik, Opposition oder bei Widerstand zu 25 Jahren GULag, Zuchthaus oder zum Tod verurteilt. Es war die Zeit der Schauprozesse und des offenen Antisemitismus. Gerne wird dagegen heute die Meinung vertreten, diesem Anfang hätte ein stiller Zauber inne gewohnt. Aufbruchstimmung, man wollte eine bessere Welt. Aber mit Gewalt.

Für die Nazis gilt diese Empathie nicht. Obwohl die das auch in Anspruch nehmen könnten. Der nationale Sozialismus versprach auch eine Revolution: Die Abschaffung des (jüdischen) Kapitals, die Entmachtung des Adels und des Großbürgertums, der parlamentarischen Quasselbuden. Im Volk sollte Gleichheit herrschen.

Das hat viele (anfänglich) begeistert und mitgerissen, nicht nur den Grafen Stauffenberg und die Geschwister Scholl. Aber historische Gerechtigkeit gilt nur für Kommunisten, nicht für Nationalsozialisten.

Die „späte“ Phase, wenn ich es richtig verstehe, war wohl die Honeckersche „Wohlfahrts-“ und „Konsensdiktatur“, wie es gutmeinende Historiker nennen, in der es den meisten materiell gut ging. So billig haben sie später nie mehr gewohnt. Das MfS wurde in dieser Zeit von 50.000 auf 90.000 Mitarbeiter/innen aufgestockt. Die meisten waren Akademiker und Kinder von Kadern, nicht von Arbeitern und Bauern. Die Überwachungs- und Zersetzungsmethoden wurden subtiler. Vergiften von Unbotmäßigen ist ja irgendwie auch nicht so krass wie Erschießen.

Im Tagesspiegel konnte man auch schon von „birthlern“ lesen, ohne Anführungszeichen, nicht als Zitat kenntlich gemacht, sondern als Vorwurf des Journalisten, die Stasi-Unterlagenbehörde betrachte die DDR einseitig nur aus der Opferperspektive.

Siehe auch hier im Blog!

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