Hatte Marx doch recht?

Gepostet am Aktualisiert am

Marx ist wieder gefragt. In Hinterzimmern der Volkssolidarität und „linksalternativer“ Jugendclubs in Potsdam wird davon geschwärmt, dass es unter Stalin keine Börsencrashs gegeben habe. Auch in der Berliner Volkshochschule Urania sind altlinke Profs wieder gefragt.

Es ist schade, dass, vor allem in Brandenburg, in den Schulen die Geschichte der DDR ziemlich kurz kommt, darin der Sowjetkommunismus und die Planwirtschaft noch kürzer. Dabei wäre dies für die politische Bildung ertragreicher als die beliebten Vergleiche zwischen DDR und BRD, nämlich wo die Frauen emanzipierter waren, wer den Nationalsozialismus gründlicher ausgemerzt hätte, wer mehr Kindergartenplätze und bessere Schulen gehabt hätte.

Prof. Ulrich van Suntum, Wirtschaftswissenschaftler der Universität Münster schreibt dazu in der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS; 13.6.10)  eine kurze, allgemein verständliche Einführung:

Zuerst biographische Anmerkungen. Marx selbst war bettelarm, er lebte von der finanziellen Unterstützung seines Freundes, des Unternehmersohns Friedrich Engels. Der übernahm sogar die Vaterschaft über ein Kind, das Marx, neben sieben ehelichen Kindern, mit seiner Haushälterin gezeugt hatte.

Marx hatte ja durch die Konkurrenz der Kapitalisten untereinander eine immer stärkere Konzentration der Produzenten und einhergehend eine sinkende Profitrate und wachsende Verelendung der Bevökerung vorausgesagt. Erst wenn das Proletariat die Herrschaft ergreife, fließe der Profit nicht mehr den Kapitalisten zu, sondern werde das Zeitalter des Kommunismus ermöglichen: Jeder werde nach seinen Bedürfnissen leben können.

Wie die Wirtschaft im Kommunismus funktionieren solle, wenn Kapitalisten und Unternehmer verschwunden wären und der Profit der Arbeiterklasse zuflösse, darüber gibt Marx wenig Auskunft.

Er machte sich sogar lustig über seine Anhänger, die seine theoretischen Schriften als Handlungsanweisung sahen: „Die kommunistische Partei ist eine Bande von Eseln, die auf uns schwört, weil sie uns für ihresgleichen hält“  sagte er 1851 zu Engels.

Man kann aber die Praxis aus 70 Jahren kommunistischer Herrschaft untersuchen: Den Lebensstandard kommunistischer Staaten, die Ausgaben für Infrastruktur, Wohnungen, Umwelt, die Qualität und Innovationsfähigkeit der industriellen Produktion, die Ressourcenverschwendung der Planwirtschaft.

Prof. van Suntum lobt Marxens Geldtheorie, auch wenn Marx wie bei fast allen seinen Arbeiten, sich nicht eingehender und vertiefender mit den Themen befasst hat. Die heute bestehende Verselbständigung des Finanzsektors gegenüber der Realwirtschaft ist in der Tat eine dem Kapitalismus innewohnende Gefahr, die immer wieder zu Finanzkrisen. Gemessen an Stillstand, Ineffizienz und Unfreiheit in kommunistischen Staaten sieht van Lintum in gelegentlichen Finanzkrisen aber das geringere Übel.

Das wäre doch ein Vergleich, der es in die Flyer des LISUM schaffen sollte!

Siehe auch in diesem Blog: Zentralverwaltungswirtschaft und Planspiel Planwirtschaft!

Einige Texte der FAS-Serie „Wie wir reich wurden“, noch nicht der o.a., sind unter www.faz.net/reich nachzulesen.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Hatte Marx doch recht?

    Anonym sagte:
    13/03/2011 um 11:31 am

    Hier scheint jemand der Ansicht zu sein, er sei klüger als der Philosoph Karl Marx!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s