Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft

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Geschichte ist nie vorbei! Wie sehr Geschichte in die Gegenwart hineinragt, zeigt aktuell die Erinnerung an das SED-Projekt „Vom Ich zum Wir“, der erzwungene Zusammenschluss der Bauern in „Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften“ (LPG), die Zwangskollektivierung.

1960 war sie abgeschlossen. 400000 Bauern verloren ihre Eigenständigkeit und wurden Landarbeiter in den LPGen. 15 Jahre vorher hatten die Kommunisten die adligen Großgrundbesitzer enteignet, die Junker, und ihr Land an Kleinbauern gegeben. Das war die sog. Bodenreform. In den 50er Jahren nahm man es ihnen wieder ab.

(Es verlief ähnlich wie beim großen Bruder Anfang der 30er Jahre. Die sowjetische Zwangskollektivierung führte allerdings zu über 3 Millionen Toten, zehntausende Bauern wurden in die sowjetischen Konzentrationslager gebracht, Tausende erschossen.)

Es wird geschätzt, dass etwa 15.000 Bauern bis 1960 nach Westdeutschland geflohen sind, tausende wurden ins Zuchthaus gesperrt, weil sie Widerstand leisteten. Zögernde Bauern wurden durch Psychoterror und andere Maßnahmen zur Aufgabe gebracht. Ca. 200 haben sich selbst getötet.

50 Jahre danach sollte den Opfern der Zwangskollektivierung ein Denkmal gesetzt werden. Das war nicht so einfach, weil die meisten Gemeinden kein Denkmal wollten. In Kyritz ist es jetzt gebaut worden.

Ebenfalls dort hält die Linkspartei, der Nachfolger der SED, eine Feier zum Gedenken an die Bildung der Landwirtschaftsgenossenschaften ab.

Die Opferverbände sind empört, dass der Zwang und die Brutalität, mit der die SED ihre Ziele durchsetzte, auch noch gefeiert wird. Bei der Feier dabei war der Vorsitzende des brandenburgischen Bauernverbandes, der die Großbauern vertritt, die heute die LPGen als Privatbetriebe führen. Meist sind es die ehemaligen LPG-Vorsitzenden. Sie beherrschen die Landwirtschaft in Brandenburg auch heute. Der Vorsitzende, der bei der Linkspartei mit auf dem Podium sitzt, ist SPD-Politiker.

SPD und Linke haben sich dagegen gewehrt, dass in Brandenburg auch die Landwirtschaft nach der „Wende“ von einer Enquetekommission untersucht werden soll.

Die Folgen der Zwangsenteignung waren in den 60er verheerend. Die Versorgung der Städte wurde schlechter. Es gibt Vermutungen, dass der Mauerbau 1961 vor allem deswegen erfolgte, weil sich die Zahl der Flüchtlinge aus den Dörfern verdoppelt hatte.

Ergänzung: Siehe auch hier

Ergänzung (29.6.10):  Ein paar Wochen später treffen sich linksextreme Intellektuelle in Berlin, um den Kommunismus neu zu denken. U. a. wird ein sowjetischer Film über „gute“ und „schlechte“ Bauern von 1930 gezeigt.

Stalin ließ 1930 ca. 9 Mio. Bauern „liquidieren“ (Stalin). Er schob die Versorgungsmängel der kollektivierten Landwirtschaft auf  die „Kulaken“. Damit waren ursprünglich Großbauern gemeint. Bei der Liquidierung Anfang der 30er Jahre galt aber schon jeder Bauer, dar eine Kuh besaß, als Kulak.

Sehr lesenswert: Jens Schöne, Mauerbau und ländliche Gesellschaft der DDR, in: Horch und Guck 76, Umwelt in der DDR, S. 56ff
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2 Kommentare zu „Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft

    […] unterbliebenen LPG-Abwicklung siehe im Blog auch hier und […]

    […] auch hier und hier im […]

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