DDR-Spitzenleistung: 5 km Barockfassaden in Potsdam beseitigt!

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Es sollte eine moderne sozialistische Großstadt entstehen. Dazu brauchte man den Hochhausklotz des Interhotels und den massigen Gebäudekomplex von Fachhochschule, Staudenhofwohnblock und Stadtbibliothek, unter dem ganze Quartiere der Altstadt verschwanden.

Es gab auch in der DDR Phasen, in denen kriegsbeschädigte Häuser phantasievoll eine barockisierende Fassade erhielten. Hinter erhaltenen Barockfassaden wurden moderne Wohnungen eingerichtet. Es gab auch eine Denkmalschutzliste und Denkmalschutzgesetze.

Im Interhotel konnten Devisengäste eine Knobelsdorff-Suite mieten, benannt nach dem Architekten von Sanssouci und der Französischen Kirche. Auch wurden die Lamellen an der Außenfassade der Fachhochschule, die die Größe des Gebäudes mildern sollten, in „Potsdam-Gelb“ gestrichen. Aber überwiegend wurde abgerissen, u. a. die Garnisonkirche und das Stadtschloss. Das Theodor-Storm-Haus fiel im Spätsommer 1989 der Spitzhacke zum Opfer. Der Künstler Bob Bahra und andere hatten vergeblich protestiert. Das schon halb verfallene Holländische Viertel erblühte nach der Friedlichen Revolution zu neuem Leben.

Ca. 5 Kilometer barocke Hausfassaden ließ die SED in Potsdam abreißen. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es sich in einer Diktatur leichter regieren lässt. Denn der Protest dagegen war in der Deutschen Demokratischen Republik sehr überschaubar und brachte den Protestierenden mindestens die Überwachung durch die Stasi.

Wenn heute in Potsdam über den Abriss des Hotelhochhauses oder Fachhochschule aus DDR-Zeiten diskutiert oder der gar beschlossen wird, erhebt sich ein vielstimmiger Aktivistenchor. Dazu zählen Architekten, die lieber modern bauen wollen, d. h. Waschbeton und fassadenlose Wohn- oder Büroquader mit französischen Fenstern, oder Kunsthistoriker und Journalisten, die den Potsdamern vorwerfen, dass sie nicht so gebildet sind wie sie, und daher die Schönheit der DDR-Bauten nicht goutieren könnten. Der Vollständigkeit halber nenne ich noch die DDR-Nostalgiker und die Alt- und Neukader der Linkspartei, die mit der Kritik am „Barockfaschismus“ gleich noch den aus Westdeutschland importierten Kapitalismus geißeln können.

Siehe auch Märkische Allgemeine: „Der Fall des Storm-Hauses“.

Anm.: Von den 5 km Abrisslänge habe ich gelesen, finde aber keinen Beleg mehr. Für Hinweise bin ich dankbar.

 

Klimawandel 1975: Es wird kälter

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Ein Bericht aus Newsweek vom April 1975 (Der komplette Artikel)

via @stevesgoddard

Thüringen will DDR erforschen

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Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit hatte Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag vereinbart. Gerade angesichts des weltweiten Vormarsches autoritärer Herrschaftsausübung sei die Erforschung moderner Diktatur- und Herrschaftsmechanismen aktuell, sagte Minister Wolfgang Tiefensee (SPD).

Minister Tiefensee ist sicher unverdächtig. Sein Ministerpräsident hat sich, obwohl Linker, Respekt und Ansehen auch beim politischen Gegner verschafft. Hoffentlich ist Thüringen auch auf der „Arbeitsebene“, also in den Verwaltungen hinter der Landesregierung, nicht auf strammem Linkskurs.

Es gibt schon ausreichend DDR-Geschichtsschreibung, in der ein „frischer“ Blick auf die Wohlfühldiktatur geworfen wird.

Ein Erziehungsjournalist über Prof. Jörg Barberowski

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Im Berliner Tagesspiegel steht heute ein fast ganzseitiger Text von Christoph David Piorkowski über den Historiker Jörg Barberowski: „Im Reich der Tugendwächter“. (28.4.17, p 24 in der PNN, der Potsdamer Lokalausgabe). Unterzeile: „Was ist dran am Vorwurf, er sei rechtsradikal?“

Gespannt beginne ich zu lesen. Jörg Barberowski ist Osteuropa-Historiker an der Humboldt-Universität. Er schreibt Kolumnen in der Basler Zeitung, der Neuen Zürcher Zeitung und kommt gelegentlich in der FAZ zu Wort. Meist setzt er sich kritisch mit der Einwanderung in Deutschland auseinander.

Aus den USA kommt der Trend, dass linksextreme Student*innen Zensur ausüben und verhindern, dass genderkritische, angeblich Minderheiten rassistisch und sexistisch beleidigende Vorträge gehalten werden. viele Universitätsleitungen beugen sich, um des Hausfriedens willen dem Druck. Auch in Deutschland gibt es das zunehmend. In Vorlesungen unliebsamer Professoren wird in denunziatorischer Absicht mitgeschrieben. Jede politisch oder genderistisch unkorrekte Bemerkung wird in Flugblättern und in Blogs veröffentlicht. Türen zu den Räumen der Profs werden beschmiert. Auch Barberowski beklagt, dass er fotografiert würde, vor seinen Vorlesungen würde demonstriert werden, er werde geschmäht.

Immerhin stellte sich die auf diesem Feld bisher sehr zögerliche Humboldt-Leitung hinter den Professor. Sie hatte lange einen linksextremistischen Blog („Münkler-Watch“) auf ihren Servern geduldet.

Herr Piorkorwski, der auch für die taz schreibt, verspricht, die Vorwürfe gegen Barberowski zu untersuchen. Deswegen will er seine Thesen und Argumente untersuchen. Ich hätte gewarnt sein sollen: Der Tagesspiegel hat sehr verständnisvoll über die linke Zensur an US-amerikanischen Universitäten berichtet. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus in Deutschland

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Stephan Hilsberg plädierte 2013 für ein zentrales Denkmal für die Opfer des Kommunismus in Deutschland.

Zwangsarbeit im Gefängnis Hoheneck

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Volker Schlecht und Alexander Lahl arbeiteten an einer Graphic Novel über eine Frau, die über die Ostsee aus der Deutschen Demokratischen Republik fliehen wollte und im Frauengefängnis Hoheneck landete. Dazu führten sie Interviews durch und daraus enstand dieser Kurzfilm. Zwei Frauen berichten aus dem Off zu animierten Bildern aus der Graphic Novel über ihren Gefängnisalltag.

Der Film „Broken“ bekam einen Preis auf dem Sundance Film Festival 1917.

Ebenfalls von Alexander Lahl (und Max Mönch): Treibsand. Eine Graphic Novel aus den letzten Tagen der DDR

Götz Aly, Europa gegen die Juden

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Kürzlich nannte ich Gründe, warum die EU und die EU-Staaten antiisraelisch sind. Auch historisch lässt sich der europäische Antisemitismus verstehen:

Aly, Europa gegen die JudenGötz Aly, Europa gegen die Juden, 1880 – 1945, Frankfurt 2017

Götz Aly schildert akribisch, wie der wachsende Nationalismus in europäischen, vor allem ost- und mittelosteuropäischen Staaten dazu führte, Juden auszugrenzen und zu entrechten, in Rumänien, Ungarn, Polen, Litauen, der Tschechoslowakei oder Griechenland und den aus dem Königreich Jugoslawien hervorgegangenen Serbien und Kroatien.

Im Russischen Reich waren Pogrome an der Tagesordnung. Mit der Wiedergeburt der polnischen Republik nach dem Ersten Weltkrieg ging eine Welle antisemitischer Pogrome und Plünderungen einher, etwa das Massaker bei der Eroberung des ukrainischen Lemberg durch polnische Soldaten im November 1918. Die Plünderungen dort hatten einen Wert von 50 Millionen österreichischer Kronen.

Aussiedlungen, Umsiedlungen, Bevölkerungsaustausch wurden zu legitimen Mitteln der Politik der Nationalstaaten. „Völkische Flurbereinigung“ wird Hitler das ein Jahrzehnt später nennen.

Die Juden fielen durch alle Raster, sie waren keine nationale Minderheit, sie waren nicht territorial zu verorten, sie hatten kein Vaterland. Den Rest des Beitrags lesen »

Timothy Garton Ash über seine Stasi-Akte

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Der britische Publizist und Historiker Timothy Garton Ash lebte als Student eine Zeitlang in West-, aber auch 18 Monate in Ostberlin. Er schrieb an einer Dissertation über Nazi-Deutschland.

Natürlich wurde er vom MfS misstrauisch beobachtet. Man hielt ihn, der einen Alfa Romeo fuhr, für „bürgerlich-dekadent“, dann, als er – Ende der 70er Jahre – nach Polen und Tschechien fuhr und Kontakt zu Dissidenten hatte, für reaktionär. 1982 wird er ausgewiesen.

Nach der sog. Wende nahm er Einsicht in seine Stasi-Akte und schrieb darüber: „Die Akte Romeo“, 1997. (Deutsche Ausgabe vergriffen, die englische Ausgabe bei Amazon.) Es liest sich wie ein Spionageroman von Graham Greene, ist aber dennoch eine sachliche, nachdenkliche, vor allem wahre Erzählung.

Er macht deutlich, dass die Stasi weniger ein Inlandsgeheimdienst war, in dem Agenten nachrichtendienstlich arbeiteten, sondern ein Apparat zur Überwachung und Einschüchterung der gesamten Bevölkerung. Somit unterscheidet sie sich, ungeachtet technischer Ähnlichkeiten,  von den westlichen Diensten.

Ash suchte seine Stasi-Informanten auf und interviewte sie, soweit sie sich darauf einliessen. Er sprach über ihre Biographie und ihre Beweggründe, für die Stasi zu arbeiten. Da gab es die alte jüdische Dame, die in der Hitlerzeit Kommunistin geworden war, den britischen Kommunisten, den IM aus einem Museum, der sich als Gegenleistung für die Berichte Auslandsreisen erhoffte.

Ash spricht 1997 in den USA über seine Akte: Ein Video-Clip, ca. 30 Minuten Vortrag, 30 Minuten Fragen an den Autor. Er spricht gut verständlich, die Transkription übersetzt leidlich. Die Schreibweisen, die die Software für die Gauck-Behörde findet, sind unerschöpflich.

Gabriels Eiertanz

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Als unser neuer Außenminister im Iran war, war nicht davon die Rede, dass er sich mit Menschenrechtsgruppen aus der iranischen Zivilgesellschaft getroffen hätte. Mit den regierenden Mullahs wollte er aber Menschenrechte erörtern und holte sich eine Abfuhr.

Anders in Israel. Da will er nicht mit der Regierung über angebliche Menschenrechtsverletzungen reden. Er besteht darauf, mit zwei linksextremistischen NGOs zu reden. Und tut es auch. Nun ist bekannt, dass Israel, anders als die palästinensische Autonomiebehörde, der Iran oder Saudi-Arabien ein demokratischer Rechtsstaat ist. Es gibt, anders als in Ramallah, eine Opposition, es gibt Pressefreiheit, es gibt eine ausgeprägte Debattenkultur, auch israel-feindliche israelische NGOs kommen im TV zu Wort. Ausgerechnet in Israel besteht Gabriel aber darauf und lehnt es ab, so ist zu hören, mit anderen, nicht antiisraelischen Menschenrechtsgruppen zu reden.

Es wäre üblich, so unser Außenminister, bei Staatsbesuchen mit regierungskritischen Vertretern der Zivilgesellschaft zu reden. Dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn, wie es Christian Soeder auf Salonkolumnisten.de ironisch vorschlägt, demnächst US-Außenminister Tillerson bei der „jungen Nichtregierungsorganisation“ Pegida und der Hamburger Antifa vorbeischaut.

Mir ist kein Fall bekannt, bei dem deutsche Politiker im arabischen Palästina bei Gelegenheit eines Staatsbesuchs mit Vertreter*innen von Menschenrechtsgruppen geredet hätten. So weit die nicht gleich von der Hamas erschossen worden sind, residieren sie vorsichtshalber im israelischen Tel Aviv. Gabriel war jetzt auch in Ramallah, der Hauptstadt der palästinensischen Araber. Dass er dort mit Regierungskritikern geredet hätte, davon war nichts zu lesen. Das hätte Abbas auch wohl nicht erlaubt. Unser neuer Außenminister bezeichnet den Antisemiten Abbas als seinen Freund.

Man muss wissen,  wer diese Aktivist*innen sind. Sie werden von europäischen Staaten und der EU bezahlt. Einige kooperieren mit Hamas. BDS-Aktivisten boykottieren nicht nur Waren aus israelischer Produktion auf der Westbank, wie das hierzulande meist berichtet wird, sondern alle israelischen Produkte. Zusammen mit Hamas werben sie für die Auslöschung Israels. Über die umstrittene „Breaking the Silence“-Gruppe (BtS), mit der sich der Bundesaußenminister getroffen hat, siehe hier im Blog! Zusammen mit B’Tselem ist es die extremste und umstrittenste israelische NGO. Die Boykottbewegung BDS ist eine Hamas-Gründung, in der auch Juden mitarbeiten.

Deutsche Sympathisanten von BtS sind u. a. die Linken Paech und Groth, der „Israelexperte“ Grass und Norbert Blüm.

Gabriel macht sich damit in Deutschland bei seinen zukünftigen Koalitionspartnern und den Parteilinken beliebt. Innenpolitisch ist das ein geschickter Schachzug.

Wenn er gleichzeitig Deutschlands historische Verpflichtung gegenüber Israel beschwört, Abbas seinen Freund nennt und die Israel delegitimierenden NGOs besucht, mag er zwar ein mit allen Wassern gewaschener „Hund“ sein, wie man in Bayern sagt, aber ein ernstzunehmender seriöser Politiker ist er in meinen Augen nicht.

Jan-Philipp Hein schreibt auf salonkolumnisten.de: „Um den Eklat des Jahres zu verstehen, genügen eine Landkarte und ein Geschichtsbuch. Die Landkarte zeigt, dass der knapp 8,5 Millionen Einwohner zählende Staat Israel an seiner schmalsten Stelle rund 15 Kilometer misst. Aus dem Geschichtsbuch geht hervor, dass das Verhältnis zu seiner insgesamt hunderte Millionen Menschen zählenden Nachbarschaft seit der Staatsgründung im Jahr 1948 durch Gewalt und Terror geprägt ist.

Noch in der Gründungsnacht erklärten Syrien, der Irak, Libanon, Ägypten, Saudi-Arabien und Transjordanien dem jüdischen Staat den Krieg. Es folgten der Sechs-Tage-Krieg (1967), der Jom-Kippur-Krieg (1973) und die Libanonkriege von 1982 und 2006, dazu kamen noch die verschiedenen „Intifadas“. Im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, deren Existenz nie bedroht war und deren Bundeswehr niemals Rückgrat der Gesellschaft sein musste, ist die IDF (Israel Defense Force) die Überlebensgarantie Israels. Macht man sich das klar, versteht man besser, warum Premierminister Benjamin Netanjahu ein Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel absagte…“

Links:

Herr Gabriel, reden Sie mit Ihrem Freund Abbas doch einmal über dessen Umgang mit kritschen palästinensischen Autoren!