Die Löwenvilla in Potsdam

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LöwenvillaIn unserer Nachbarschaft steht die Löwenvilla. Das Haus wird so genannt wegen der beiden Löwen, die die Treppe zum Haupteingang flankieren. Allerdings verbirgt sich hinter dem (gefakten) Haupteingang das Treppenhaus, der Hauseingang befindet sich auf der linken Seite.

Der Reserveoffizier Fritz von der Lanken betrieb ab 1931 hier ein Alumnat, ein Jungenpensionat. Von der Lanken wurde im Krieg reaktiviert und im Oberkommando des Heeres eingesetzt. Er gehörte zu den Offizieren des Widerstandes. Die stammten zum großen Teil aus dem Potsdamer Infanterieregiment Nr. 9.

In der Löwenvilla trafen sich die Verschwörer häufig. Sie war auch der letzte Ort, an dem – im Treppenhaus – der Sprengstoff für das Attentat vom 20. Juli 1944 versteckt worden war.

Am 20. Juli 2017 veranstaltete die Stadt Potsdam in der Löwenvilla eine Gedenkstunde für den Mitverschwörer Kurt von Plettenberg. Der emeritierte Oldenburger Politikwissenschaftler Eberhard Schmidt las aus seiner Biografie. Plettenberg hatte auch selbst erwogen, Hitler zu töten. Da er der Vermögensverwalter des Hauses Hohenzollern war und fürchtete, dass die Familie nach einem Attentat womöglich mitverfolgt würde, sah er davon ab. Er tötete sich bei einem Verhör durch die Gestapo selbst; er sprang aus dem Fenster. Sein Grab ist auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam.

Zum ersten Mal konnten wir das Haus, an dem wir fast täglich vorbeigehen, betreten.

In ihm wurde auch eine Szene für den Film „Operation Walküre“ gedreht: ein nächtliches Treffen der Verschwörer.

Löwenvilla Film
Die Feuerwehr sorgt 2007 für Gewitter und Regen für eine Szene am Originalschauplatz Löwenvilla: „Operation Walküre“ mit Tom Cruise

 

Befreiung vom Faschismus Unterrichtsthema in Brandenburg?

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Die ostdeutschen Sozialisten gelten im Gegensatz zu ihren westdeutschen Genossen als Realpolitiker und nicht als linksradikale Ideologen. Diese Sichtweise ist holzschnittartig, vielleicht redet man sich auch bloß Koalitionspartner schön.

Dass pragmatische Politik und Ideologie Hand in Hand gehen, zeigt eine Potsdamer Episode. Vor einiger Zeit setzten die SED-Nachfolger im Landtag durch, dass der 8. Mai, der Tag der „Befreiung vom Faschismus“ in die Brandenburger Gedenktageliste aufgenommen wurde (U. a. mit den Stimmen von Grüne/Bündnis90). Jetzt geht es ein Stückchen weiter. Die Brandenburger Linkspartei fordert, dass die Schulen aufgefordert werden, sich aktiv an der öffentlichen Gestaltung dieses Gedenktages zu beteiligen.

Nun konterten CDU und Freie Wähler, indem sie beantragten, dass Schulen in ein Konzept zur würdigen Gestaltung aller historischen Daten, d. h. auch 13. August, 17. Juni, 20. Juli, 9. November eingebunden werden sollen. Dem stimmte der Landtag zu, nicht dem Antrag der Sozialisten. Die sind jetzt empört.

Dabei hatte eine Linke im Landtag einmal verlauten lassen, Gedenktage wären kein Allheilmittel. Sie wären kein geeignetes Mittel, um der jüngeren Bevölkerung Geschichte näherzubringen. Ihr war es dabei um die Verhinderung des 13. August gegangen, den Tag des Mauerbaus. Da wollten die SED-Nachfolger keinen Gedenktag.

Herbert Wehner

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In der Reihe „Weltweites Exil“ geht es um Menschen, vor allem Schriftsteller/-innen, die vor den Nazis geflohen ist. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltungsreihe von Lea Rosh. Diesmal ging es um den 1990 verstorbenen Herbert Wehner. Was wäre geeigneter als Treffpunkt als das Willy-Brandt-Haus, die SPD-Parteizentrale?

Christoph Meyer, der Wehner-Biograph, liest aus seinem Buch, dazwischen werden Texte von Wehner gelesen. Zu Beginn wird ein Auszug aus einem Gespräch mit Günter Gaus gezeigt. Es ist die Einstimmung auf das, was folgt. Gaus führt ein behutsames Gespräch, in dem Wehner nachdenklich antwortet. (Was für ein wohltuender Unterschied zu den heutigen krawalligen Talkshows der WillMaischbergerIllnerPlasberg.)

Man erinnert sich an Wehners ätzende Zwischenrufe im Bundestag, an seine bissigen Kommentare über andere Politiker, auch in der eigenen Partei. Den Hass, mit dem er von CDU-Politikern als Moskaus U-Boot denunziert wird und seine giftigen Repliken an Franz-Josef-Strauß sind noch präsent. In der Veranstaltung geht es nicht, allenfalls am Rande um Wehner im Deutschen Bundestag.

Christoph Meyer erzählt vom Menschen Wehner, dem verletzlichen und oft verletzten. Seine heftigen verbalen Ausbrüche verdecken den Panzer, den er sich im Umgang mit Freund und Feind zugelegt hat. Sein Bruch mit dem Kommunismus wird glaubhaft. (Die CDU-Propaganda gegen das Moskauer U-Boot Wehners war an mir nicht gänzlich abgeprallt.) Wehner spricht oft von den beiden Totalitarismen, die er erlebt und durchlitten hat, 49% Nationalsozialismus, 51% Kommunismus. Die heutige Politikwissenschaft, die mehrheitlich die Theorie von dem linken und dem rechten Totalitarismus ablehnt, wäre entsetzt.

Wehner war in der Weimarer KPD weit oben, er war Organisationsleiter. Ulbricht sah in ihm einen Konkurrenten. Die stalinistischen Säuberungen im Moskauer Exil hat er überlebt. Er stand auf einer Liste Jeschows, des NKWD-Chefs, der die Tötung von ca. 800. 000 Menschen für Stalin organisierte. Aber dann stand Jeschow selbst auf einer Liste, bevor er sich um Wehner kümmern konnte. Christoph Meyer erklärt manches in Wehners Biographie mit Zufällen. Ob er wie Ulbricht Genossen denunziert hat, um selbst zu überleben, kann auch Meyer nicht klären. Unklar bleibt auch weiterhin, ob er Brandt gestürzt hat.

Aber mein Bild von Herbert Wehner wurde differenzierter.

Lesetipp: Die Lust an der Schuld

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Ich lese gerade

Antonia Grunenberg, Die Lust an der Schuld. Von der Macht der Vergangenheit über die Gegenwart, Berlin: Rowohlt 2001.

Schon lange suche ich ein Buch über den Umgang der Deutschen mit Auschwitz und dem Holocaust. Was mich an diesem Umgang stört, ich vermeide das Modewort „Diskurs“, weil es gerade diesen darüber nicht gibt, ist, dass er Rechtsextremisten überlassen bleibt. Oder, wenn es kein Rechtsextremist ist, er sofort in diese Ecke gestellt wird, sei es, weil er missverständlich formuliert hat, sei es, dass er missverstanden wird.

So erging es Martin Walser („Auschwitzkeule“) und Philipp Jenninger, der 1988 im Bundestag versuchte, die Begeisterung der Deutschen für Hitler zu erklären. Das wurde prompt als Rechtfertigung missverstanden und er musste als Bundestagsvizepräsident zurücktreten. Ignaz Bubis, Vorsitzender des Zentralrates der Juden verwendete ein Jahr später absichtlich Teile von Jenningers Rede, ohne dass irgendjemand daran Anstoss genommen hätte.

Was ich mir wünschte, wäre eine kritische Analyse des deutschen Schuldkomplexes, die man nicht in die rechte Ecke stellen könnte. Den Rest des Beitrags lesen »

Nicht alle geschädigten Kinder von DDR-Dopingopfern erhalten Unterstützung

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Die Bundesregierung lehnt eine Änderung des Dopingopfer-Hilfegesetzes ab. Es gibt ca. 200 Fälle von Geschädigten in der zweiten Generation. Nicht anerkannt werden Schädigungen, wenn die Mutter vor, aber nicht während der Schwangerschaft gedopt wurde.

(nach FAZ)

Es ist anscheinend medizinisch schwierig, einen Zusammenhang mit Doping zu finden.

Bremer Verfassungsschutz verkleinert Linksextremismus

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Linksextremismus gibt es nicht (Bodo Ramelow über Thüringen), Linksextremismus wird aufgebauscht (Manuela Schwesig, die als Frauenministerin 99% der Extremismusbekämpfungs-Staatsknete für Anti-Rechtsprojekte ausgab.), linke Gewalt gibt es nicht (SPD-Vorsitzender Martin Schulz).

Warum nur rechnet der Bremer Verfassungsschutz seit Jahren die Zahl der Linksextremisten herunter?

Seit Jahrzehnten wird linke Gewalt geduldet.

Israel sollte sich mäßigen

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HA-Schlagzeile
Die erste Schlagzeile stammte von der dpa. Sie wurde nachträglich geändert. Gefunden auf Twitter

Mit dem Zweiten sieht man besser: ZDF auf Twitter: Bei der Schießerei „starben auch zwei Polizisten.“

Spiegel Online: „Westjordanland: Zwei Palästinenser bei israelischer Militäraktion getötet“.

Amerikaner in Berlin(W)

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Das Alliierten-Museum präsentiert eine neue Webseite: Amerikaner in Berlin.

Vorgestellt werden zehn Orte in Berlin-Zehlendorf, u.a. das AFN-Funkhaus, das Hauptquartier und der Militärbahnhof Lichterfelde-West.

Passend dazu erscheint im Christian-Links-Verlag die Broschüre „Die Amerikaner im geteilten Berlin“

Der kommende Aufstand

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Man kann sich gut vorstellen, wie der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Claudius Seidl, einen Kelch teuren Pétrus-Weines schwenkend, in der Bar des Empire Riverside Hotels im 20. Stock sitzend, gleich unter sich die brennenden Autos betrachtend, in Augenhöhe mit dem Piloten des Polizeihubschraubers, sich Notizen machend für den Artikel über verkannte, verteufelte Linke in seinem Blatt: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, v. 16.7.17, p41, „Diese verteufelte Linke“.

Seidl ist dagegen, dass jetzt von Linksextremismus geredet wird, von einfachen Schuldzuweisungen. Er weiß, dass unklar ist, was in diesen Hamburger Horrornächten, „wirklich geschehen ist“. Er erklärt es in seinem Aufsatz.

Wie so viele Intellektuelle ist Seidl fasziniert von kategorischen Verweigerern, die einen Ausweg aus dem alles zerstörenden Kapitalismus, die eine „Tür nach draußen“ suchen. Man kennt das aus dem vergangenen Jahrhundert. Die Liste der Intellektuellen, die angetan waren (oder es noch sind) von Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot, Fidel Castro ist lang.

Seidl blättert in einem Manifest linksradikaler Franzosen: „Vom kommenden Aufstand“. (Klingt nach dem vergessenen Franz Fanon.) Sie beklagen die Entfremdung, die Kolonisierung, die Zerstörung sämtlicher Verwurzelungen, die Enteignung der Sprache durch die Schule, der Stadt durch die Polizei.

Darf es noch ein Glas Pétrus sein? Er sieht gleichwohl, dass die Gegner des Systems noch weit entfernt sind von einer Gesellschaft der Freien und Gleichen. Aber, und das scheint die noch zu klärende Frage der Hamburger Gewaltnächte zu sein: Die Menschen da unten schauen mit Neugier und mit Sympathie auf jene Menschen in der Roten Flora, die sich den herrschenden Verhältnissen verweigern. Die Verweigerung wäre manchmal kindisch und hilflos. aber es ginge doch um eine offene Tür (nein, nicht die zum geplünderten Rewe-Laden) zur Welt der Autonomen.

Nicht dass Claudius Seidl noch mehr brennende Autos, verletzte Polizisten und geplünderte Läden will. Nein, er vermisst eine einige Linke, die Imagination, Mut und Optimismus zeigt, um ihr Nichteinverstandensein in Politik zu übersetzen.

Damit ist er beim Bundestagswahlkampf. Führten früher bei der CDU alle Wege des Marxismus nach Moskau, führten sie jetzt zum Schanzenviertel. Die „geschichtsvergessene“ SPD leugne den Zusammenhang von links und Gewalt. Er wirft ihr vor, im Laufe ihrer Geschichte immer das Land gegen linksextreme Aufstände und Rebellionen verteidigt zu haben.

Dabei gäbe es doch eben dieses bis in die bürgerliche Mitte hineinragende Unbehagen an Erdogan, Temer und Trump, an Hunger in der Welt und Armut in Afrika. Was bei ihm noch fehlt, aber von der Interventionistischen Linken, die die den Kampf gegen G20 in Hamburg mit vorbereitet hat, ergänzt wird: die Toten im Mittelmeer, die Klimageflüchteten, die Atommülltransporte und die nach Afghanistan Abgeschobenen. Selbst Polizisten verstünden die Wut der Linksextremisten.

Werden demnächst autonome, alternative, interventionistische Linke die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lesen? Oder liest Seidl die Pressemitteilungen der Interventionistischen Linken?

In Potsdam hat seine Solidaritätserklärung schon erfolgreich gewirkt. Zusammen mit Patrick Bahners hatte er eine Eloge auf einen DDR-Bau geschrieben, der nach zwanzig Jahren der öffentlichen Beratung, Diskussion und parlamentarischen Beschlussfassung abgerissen werden soll. Dort ist ein dem ursprünglichen Stadtquartier nachempfundenes Ensemble geplant, das die SED platt gemacht hatte.

Die Potsdamer Linken (von der Linkspartei bis zu Antifa und Autonomen; nicht: die Grünen!) rennen unaufhörlich dagegen an. Gerade hatten ein paar Dutzend Aktivist/-innen das Gebäude besetzt. Für mich überraschend wurde es noch am selben Tag, nach achtstündigen Verhandlungen, geräumt. Unverdrossen kündigen die „Nichteinverstandenen“, wie Seidl sagen würde, weitere Besetzungen an.

Dem Potsdamer Publikum billigt er aber keine klammheimliche Sympathie für die Besetzer/-innen zu. Im Gegenteil, die liebten Cola (statt Pétrus) und Plastikfassaden.

Nun, was Umerziehung angeht, können Linke auf ein Jahrhundert realisierter Imagination zurückgreifen.

 

Sind die Siedler an allem schuld?

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Die Besessenheit mit der in Deutschland Kritik an Israel geübt wird, wird nicht nur in den araberfreundlichen Sendungen der ö.-r. Korrespondenten von ARD und ZDF deutlich. Die beliebteste Zielgruppe der hässlichen Juden sind die Siedler. Sie sind es, die den armen, unschuldigen, palästinensischen Arabern das meiste Leid zufügen.

Es gibt unbestritten Hardcore-Siedler, religiöse Fanatiker, denen, lebten sie hierzulande die Antifa die Autos anzünden würde, und die Zeit würde Hausbesuche empfehlen. Das ist gegenüber AfD-Politikern in Deutschland Praxis.

Aber ein wenig mehr Ausgewogenheit und Sachlichkeit würde z. B. dem Auswärtigen Amt und seinem Chef gut anstehen. Das AA schreibt auf seiner Webseite: „Israel versteht sich als demokratischer Staat.“ Wie viel Bosheit darin steckt, merkt man, wenn man statt Israel z.B. die Schweiz oder die Niederlande einsetzte.

Die Hamas überlässt der Bundesregierung den Bau von Kläranlagen und Abwassersystemen in Gaza. Anders als bei den israelischen Siedlungen, lässt man hier offen, vom Versagen der Hamas-Verwaltung zu sprechen.

In dem verlinkten Text setzt sich Nikoline Hansen mit der deutschen Fokussierung auf die israelischen Siedlungen als Haupthindernis einer Zweistaatenlösung auseinander.

Wie unrealistisch eine Zweistaatenlösung ist, weil von den palästinensischen Arabern nicht gewollt, steht u.a. hier.